Studie: Mehrheit der Deutschen sieht KI im Recruiting kritisch

iu.de

Laut Befragung der IU Internationalen Hochschule lehnen die meisten den Einsatz von KI ab

·      Mehr als die Hälfte der Befragten befürchtet, dass die Zwischenmenschlichkeit unter mehr KI leidet.

·      43 Prozent sind sogar der Meinung, dass KI den Bewerbungsablauf für sie verschlechtert.

·      Ein Drittel der Befragten sieht in der Nutzung von KI die Chance, Diskriminierungen zu verhindern.

Erfurt, 11. April 2022. Die neue Studie „KI im Recruiting“ der IU Internationalen Hochschule (IU) zeigt: Die Mehrheit der Befragten (64,7 Prozent) lehnt den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Recruiting ab und bewertet die technologische Entwicklung als negativ. Vor allem der Verlust von zwischenmenschlichen Aspekten wie Sympathie (59,4 Prozent) sowie die gefühlt unkontrollierte Datenverarbeitung (34,1 Prozent) sorgen für Bedenken.

Zwei Drittel der Befragten (65,2 Prozent) vertrauen  den Entscheidungen, die durch Algorithmen getroffen werden, nicht und 58,6 Prozent der Befragten haben kein Vertrauen in Unternehmen, die KI im Bewerbungsprozess einsetzen. Vier von fünf Befragten (80,5 Prozent) fühlen sich weniger wertgeschätzt, wenn KI anstelle eines Menschen im Bewerbungsprozess eingesetzt wird; und 43 Prozent denken sogar, dass KI den Bewerbungsablauf für sie insgesamt verschlechtert.

So sind auch mehr als 72,3 Prozent der Befragten der Meinung, dass jeder Schritt im Bewerbungsprozess und die getroffenen Entscheidungen in Menschenhand bleiben sollen.

Grundsätzlich lässt sich anhand der Studienergebnisse sagen: Je tiefer der Bewerbungsprozess geht, desto eher wird der Einsatz von KI abgelehnt. Während noch 69,8 Prozent den Einsatz von KI beim Verfassen von Stellenanzeigen für gut befinden, finden es nur 38,1 Prozent gut, wenn KI bei der Analyse von Wortwahl und Mimik im Bewerbungsgespräch zum Einsatz kommt.

KI bietet Chancen für mehr Gerechtigkeit

Aus Sicht der Befragten bringt der Einsatz von Algorithmen im Bewerbungsprozess auch positive Aspekte mit sich: So sieht jede:r dritte Befragte (32,9 Prozent) in der Nutzung von KI die Chance, Diskriminierungen etwa aufgrund von Herkunft, Alter oder Geschlecht zu verhindern. Und jede:r Fünfte (21,5 Prozent) findet, dass der Auswahlprozess gerechter ist, da die KI Entscheidungen immer anhand derselben Kriterien wie beispielsweise der beruflichen Qualifikation trifft. Auch finden ein Drittel (31,7 Prozent) der Befragten, dass durch den Einsatz von KI der gesamte Bewerbungsprozess schneller läuft.

„Künstliche Intelligenz hat gegenüber dem Menschen einen entscheidenden Vorteil hinsichtlich Gleichberechtigung: Sie denkt in Einsen und Nullen. Vorurteile und subjektive Wertung sind ihr fremd, sie entscheidet rein auf Faktenbasis – vorausgesetzt die KI-Algorithmen sind richtig programmiert“, sagt Prof. Dr. Michaela Moser Professorin für Personalmanagement an der IU Internationalen Hochschule (IU).

Deutliche Unterschiede bei Herkunft und Bildung

Personen mit Migrationshintergrund zeigen sich deutlich offener gegenüber KI als Befragte ohne Migrationshintergrund. So blickt die Hälfte (48,6 Prozent) der Befragten mit Migrationshintergrund positiv auf den Einsatz von KI, während dies nur ein Drittel (32,6) der Befragten ohne Migrationshintergrund tun.

Beim Blick auf den Bildungsgrad fallen weitere Unterschiede auf. Dabei zeigen die Studienergebnisse: Je höher der Bildungsabschluss, desto positiver die Haltung gegenüber dem Einsatz von KI. Während nur 30,1 Prozent der Befragten mit Hauptschulabschluss KI für eine positive Entwicklung halten, tun dies schon 42,5 Prozent der Befragten mit Hochschulabschluss.

Fehlendes Bewusstsein für KI-Einsatz

Ein Grund für die grundsätzliche Skepsis gegenüber KI könnte fehlende Erfahrung sein: 9 von 10 Befragten (88,5 Prozent) haben noch keine bewusste Erfahrung mit KI in einem Bewerbungsprozess gemacht. Lediglich 6,3 Prozent haben Künstliche Intelligenz in bisherigen Bewerbungsprozessen bewusst wahrgenommen. Am häufigsten geschah dies bei der Stellen- und Unternehmensrecherche über Websites, Messen oder Telefonate.

„Bewerber:innen ist der Einsatz von KI im Bewerbungsprozess häufig gar nicht bewusst. Außerdem ruft die Vorstellung von KI im Recruiting bei einigen zunächst Skepsis hervor, da viele gar nicht wissen, wie und an welcher Stelle des Bewerbungsprozesses KI überhaupt ihren Einsatz findet. Wer einmal bewusst Erfahrung mit KI gemacht hat, ist in der Regel auch offener für ihren Einsatz. Es empfiehlt sich daher, die Anwendung von KI im Bewerbungsprozess transparenter zu machen“, Prof. Dr. Katharina-Maria Rehfeld, Professorin für Personalmanagement an der IU Internationalen Hochschule.

Beim Blick in die Zukunft sind fast zwei Drittel (63,3 Prozent) der Meinung, dass KI im Recruiting zukünftig häufiger eingesetzt wird. Doch nur gut jede:r Dritte (36,6 Prozent) davon beurteilt diese Entwicklung als gut. Bei der Frage, was die Zweifel an einem Einsatz von KI im Bewerbungsprozess mildern würde, gab die Hälfte der Befragten (53,8 Prozent) an, die freie Wahl zwischen Mensch oder KI im Bewerbungsprozess zu haben.

 

  

Über die Studie

Im Rahmen der IU-Studie „KI im Recruiting: Emotionen, Ansichten, Erwartungen“ wurden 1.005 Personen aus Deutschland im Alter zwischen 16 und 65 Jahren im Zeitraum Oktober/November 2021 befragt. Die Studie ist repräsentativ nach Alter und Geschlecht.

Mit der Studie wollte die IU Internationale Hochschule herausfinden, wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Recruiting von Bewerber:innen wahrgenommen wird und was getan werden kann, um eine größere Akzeptanz für den Einsatz von KI zu schaffen, um damit letztendlich auch die Candidate Experience zu verbessern. Die Candidate Experience beinhaltet alle gesammelten Erfahrungen, die Bewerber:innen während des Bewerbungsprozesses in einem Unternehmen machen – von der Stellensuche bis hin zum Interview und letztendlich zum Onboarding.

 

Das Whitepaper zur Studie ist hier verfügbar.  

 

Grafiken:

„Eine negative Entwicklung“: Ablehnung dominiert – Mit Unterschieden

Je tiefer im Bewerbungsprozess, desto eher wird KI abgelehnt

KI im Bewerbungsprozess: Weniger Mensch, mehr Chancengleichheit

Gut versteckt oder kaum genutzt? KI wird selten erkannt

„Antiskeptika“: Diese Mittel können Zweifel lindern

 

Bildmaterial der Sprecherinnen

Prof. Dr. Michaela Moser Professorin für Personalmanagement an der IU Internationalen Hochschule (IU).

Prof. Dr. Katharina-Maria Rehfeld, Professorin für Personalmanagement an der IU Internationalen Hochschule.

 

 

 

ÜBER DIE IU INTERNATIONALE HOCHSCHULE

Mit über 85.000 Studierenden ist die IU Internationale Hochschule (IU) die größte Hochschule in Deutschland. Die private, staatlich anerkannte Bildungseinrichtung bietet mehr als 200 Studienprogramme im Bachelor und Masterbereich, in deutscher oder englischer Sprache. Studierende können zwischen Präsenzstudium, dualem Studium, Fernstudium und flexiblen Kombimodellen wählen und ihr Studium selbstbestimmt gestalten. Zudem ermöglicht die IU Weiterbildungen und fördert die Idee eines lebenslangen Lernens. Ziel der Hochschule ist es, möglichst vielen Menschen Bildung zu ermöglichen. Ihren Lehrbetrieb hat die IU im Jahr 2000 aufgenommen, inzwischen ist sie in 28 deutschen Städten vertreten. Sie kooperiert mit über 10.000 Unternehmen und unterstützt sie bei der Mitarbeiterentwicklung. Zu den Partnern gehören unter anderem Motel One, VW Financial Services und die Deutsche Bahn. Weitere Informationen unter: www.iu.de


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