Expert:innen diskutieren Zukunftschancen für First-Generation-Studierende
Forschungsverbund FiPHo und IU Internationale Hochschule versammeln Expert:innen aus Wissenschaft, Hochschulpraxis und Studierendenschaft in Hannover
Der Forschungsverbund FiPHo und die IU Internationale Hochschule bringen Expert:innen aus Wissenschaft, Praxis und Studierendenschaft in Hannover zusammen.
Hannover/Erfurt, 02. Dezember 2025 – Mit rund 73 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Forschung, Hochschulpraxis und Studierendenschaft hat die Fachtagung „First-Generation-Studierende als Bildungsadressatinnen und Kund*innen privater und öffentlicher Hochschulen“ an der IU Internationalen Hochschule in Hannover gezeigt, wie stark die soziale Herkunft die Hochschulentwicklung prägt. Vom 26. bis 27. November 2025 diskutierten die Teilnehmenden, wie Bildungsaufstiege gelingen, welche Barrieren First-Generation-Studierende erleben und wie Hochschulen ihre Strukturen, Angebote und Kultur verändern müssen, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu ermöglichen.
Ausgangspunkt der Tagung war die Frage, wie First-Generation-Studierende – also Studierende, deren Eltern nicht studiert haben – in einem zunehmend ausdifferenzierten Hochschulsystem adressiert, unterstützt und ernst genommen werden. Der FiPHo-Forschungsverbund in Kooperation mit der IU Internationalen Hochschule und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hatte hierfür Forschende und Praktiker:innen aus verschiedenen Hochschulen eingeladen und ein Programm aufgesetzt, das wissenschaftliche Analysen, Erfahrungsberichte und Praxisbeispiele systematisch zusammenführt. Im Mittelpunkt standen zwei Perspektiven: die biografischen Erfahrungen von Bildungsaufsteiger:innen sowie die organisationalen Orientierungen von Hochschulen. Insbesondere private Hochschulen konnten in den vergangenen Jahren einen überdurchschnittlich hohen Anteil an First-Generation-Studierenden gewinnen.
Prof. Dr. Stefanie Kessler, Leiterin des FiPHo-Verbunds und Professorin für Soziale Arbeit an der IU Internationalen Hochschule, betonte:
„First-Generation-Studierende bringen enorme Potenziale mit, doch sie stoßen häufig auf strukturelle Barrieren, die ihnen den Studienzugang und Erfolge im Studium erschweren. Unser Ziel ist es, Ansätze und Einblicke durch Forschung zu liefern, um Hochschulen so zu gestalten, dass sie diese nicht-traditionellen Studierenden nicht nur aufnehmen, sondern gezielt fördern – damit Bildung wirklich allen offensteht.“
In fünf thematisch fokussierten Panels nahmen die Referierenden unterschiedliche Facetten des Themas in den Blick: Bildungswege und Erfahrungen von First-Generation-Studierenden, Strategien im Hochschulmanagement zur Verbesserung von Teilhabe und Chancengleichheit, vertiefende analytische Perspektiven sowie konkrete Unterstützungsformate in Lehre, Organisation und Beratung. Die Beiträge reichten von empirischen Studien zu Bildungswegen an privaten Hochschulen, zu Studienabbruchsrisiken und institutioneller Ausdifferenzierung über Analysen von Diversitäts- und Lehrorientierungen bis hin zu Projekten, die die Bedeutung von Coaching oder Mental-Health-Angeboten für First-Generation-Studierende untersuchten. Auch Aspekte wie Disability, Neurodivergenz, berufliche Vorerfahrungen und atypische Bildungsverläufe wurden diskutiert.
Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung lag auf der Rolle privater Hochschulen: Im Vortrag des FiPHo-Verbundteams wurden organisationskulturelle Orientierungen einer privaten Hochschule gegenüber First-Generation-Studierenden aus drei Perspektiven analysiert – aus Sicht der Studierenden selbst, der Studienberatung/-begleitung und der Lehrenden. Die Auswertung zeigt, inwiefern private Hochschulen Bildungsaufsteiger:innen unterstützen, wo implizite Normen und Erwartungen eher den Zugang erschweren und wie sich aus den unterschiedlichen Perspektiven Reibungen, aber auch Ansatzpunkte für Reformen ergeben.
Im abschließenden Fish-Bowl-Format diskutierten Studierende, Vertreter:innen von Arbeiterkind.de, Hochschullehrende und der FiPHo-Verbund gemeinsam die Leitfrage der Tagung: Inwiefern sind First-Generation-Studierende Bildungsadressat:innen – und zugleich „Kund:innen“ – privater wie öffentlicher Hochschulen? In der Debatte wurde deutlich, dass die Metapher vom „Kunden“ zwar auf Serviceorientierung, Transparenz und Berechenbarkeit von Studienbedingungen zielt, zugleich aber Spannungen mit dem Bildungsauftrag der Hochschulen erzeugt. First-Generation-Studierende formulierten Erwartungen an verlässliche Unterstützung, klare Strukturen und respektvolle Kommunikation, warnten aber auch vor einer reinen „Dienstleistungslogik“, die Bildungsprozesse auf Produktlogik und Kennzahlen verkürzen könnte. Studierende sollten als Partner in Bildungsprozessen verstanden werden, mit denen Hochschulen gemeinsam geeignete Formen des Lehrens und Lernens finden und entwickeln.
Die Ergebnisse der Tagung fließen in die laufende Arbeit des FiPHo-Verbunds ein. Für die kommenden Monate planen die beteiligten Forschenden und Praxispartner, Forschungserkenntnisse zu publizieren sowie auf wissenschaftlichen Tagungen und in unterschiedlichen Transferformaten zu vermitteln. Zugleich zeigte die Tagung, dass Fragen der sozialen Herkunft, der kulturellen Passung und der organisationalen Verantwortung nicht nur ein „Spezialthema“ für bestimmte Zielgruppen sind, sondern die Hochschulpolitik insgesamt betreffen.
Mit rund 130.000 Studierenden ist die IU Internationale Hochschule (IU) Deutschlands größte Hochschule. Die private, staatlich anerkannte Bildungseinrichtung mit Sitz in Erfurt nahm im Jahr 2000 ihren Lehrbetrieb auf und ist heute an 37 Standorten vertreten. Die IU steht für maximale Flexibilität im Studium: ob dual, im Fernstudium oder am Campus – Studierende aus über 160 Nationen gestalten ihren Bildungsweg individuell je nach persönlicher Lebenssituation. Mit mehr als 200 Studienprogrammen im Bachelor-, Master- und MBA-Bereich vermittelt die IU praxisnahe Kompetenzen. Innovative Lernkonzepte fördern gezielte Zukunftsfähigkeiten für eine zunehmend KI-geprägte Arbeitswelt. Eine moderne, digital gestützte Lernumgebung sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ermöglichen effektives, personalisiertes Lernen. Als Vorreiterin in diesem Bereich hat die IU mit „Syntea“ einen eigenen digitalen Lernbegleiter entwickelt, der seit 2023 im Einsatz ist. Ein Netzwerk von über 15.000 Unternehmen – darunter Motel One, Vodafone, die AWO und die Deutsche Bahn – macht die IU zu einem starken Partner in der Ausbildung von Fachkräften und verbindet akademische Lehre konsequent mit der Praxis. Weitere Informationen unter: iu.de.
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