19
Februar
2026
|
09:15
Europe/Amsterdam

Studienabbruch vermeiden: IU und FernUniversität in Hagen erforschen kritische Eingangsphase im Fernstudium

Zusammenfassung

IU und FernUniversität Hagen erforschen erstmals die kritische Studieneingangsphase – mit Handlungsempfehlungen für staatliche und private Hochschulen.

  • Erstmaliger Vergleich von staatlichen und privaten Fernstudienangeboten aus Studierendenperspektive
  • Handlungsempfehlungen für Hochschulen: Wie Studierende trotz Verpflichtungen wie Beruf und Familie erfolgreich starten und studieren
  • BMFTR-gefördertes Projekt stellt Ergebnisse auf Arbeitstagung am 23. Februar in Köln vor

Erfurt, 19. Februar 2026. Fernstudium in Deutschland boomt: Seit 2006 hat sich die Zahl der Fernstudierenden laut Zahlen des Statistischen Bundesamt fast vervierfacht – auf heute über 250.000, dies entspricht rund neun Prozent aller Studierenden in Deutschland.1 Die zwei größten Anbieter von Fernstudiengängen, die IU Internationale Hochschule (IU) und die FernUniversität in Hagen (FeU), untersuchen im gemeinsamen Forschungsprojekt „TiDE – Transition into Distance Education" erstmals systematisch den Studieneingang aus Perspektive von Studierenden.

Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Projekt zielt darauf ab, Erkenntnisse zum Fernstudium an privaten Hochschulen im organisationalen Vergleich mit der einzigen staatlichen Fernuniversität, der FeU, in Deutschland zu gewinnen. Dabei fokussiert es sich auf die Studieneingangsphase, die als wegweisend für den Studienerfolg gilt – besonders bei nicht-traditionellen Studierenden, die neben Beruf, Familie oder anderen Verpflichtungen studieren. Denn rund 63 Prozent der Studierenden in Deutschland sind während des Studiums erwerbstätig und etwa 8 Prozent haben Kinder oder familiäre Verpflichtungen2, was den Studieneinstieg organisatorisch und zeitlich besonders herausfordernd macht.

Warum die Studieneingangsphase entscheidend ist

Die ersten Wochen und Monate im Studium gelten als besonders wegweisend für den weiteren Studienverlauf, da in dieser Phase viele Studierende entscheiden, ob das Studium zu ihnen passt und tragfähige Lern- und Selbstorganisationsstrategien entwickeln.

  • Studien zeigen, dass ein großer Teil der Studienabbrüche früh im Studium erfolgt – etwa 11 Prozent aller Studienanfänger:innen brechen ihr Studium innerhalb der ersten drei Semester ab.3
  • Fernstudierende, die in der Regel autonom und flexibel studieren, sind besonders herausgefordert. Da physische Strukturen, wie der Vorlesungsbesuch oder der direkte soziale Kontakt zu Mitstudierenden und Lehrenden fehlen, bestehen hohe Anforderungen an ihre Selbstorganisation und -regulation.4

Forschungslücke: Der Studieneingang ins Fernstudium

“Während immer mehr Studierende in Distanz studieren und viele davon an privaten Hochschulen, wie der IU Internationalen Hochschule, eingeschrieben sind, fehlt es bisher an systematischen Befunden zur erfolgskritischen Studieneingangsphase”, erklärt Prof. Dr. Caroline Trautwein, Leiterin des Projekts an der IU und Professorin für Business Psychology. “Wir wissen bisher noch wenig darüber, wie Studierende den Einstieg ins Fernstudium erleben und inwiefern sich ihre Erfahrungen zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Hochschulen unterscheiden. TiDE soll hier wesentliche Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen liefern”, so Trautwein weiter.

Das Projekt untersucht die konkreten Erfahrungen von Fernstudierenden in unterschiedlichen organisationalen Kontexten:

  • Im Zentrum steht dabei die Frage, wie ein gelungener Übergang (Transition) ins Fernstudium gelingt und welche Rahmenbedingungen und Studierkompetenzen Studierende benötigen, um die kritischen Anforderungen der Eingangsphase zu bewältigen.
  • Besonders relevant ist zudem, wie Studierende mit unterschiedlichen Hintergründen und nicht-traditionellen Studienwegen den Einstieg erleben, „da sie im Fernstudium überproportional häufig vertreten sind und welche Rolle digitale Lehr- und Lernformate sowie mediendidaktische Konzepte dabei spielen", erläutert etwa Dr. Sabrina Schaper, Leiterin des FeU-Teilprojekts.
  • Darauf aufbauend werden praktische Empfehlungen für die Gestaltung der Studieneingangsphase und passgenaue Unterstützungsangebote an staatlichen und privaten Hochschulen abgeleitet.

„Aus den Erkenntnissen des Vergleichs können wir ableiten, wie Hochschulen Studierende künftig besser beim Einstieg unterstützen können – unabhängig davon, ob staatlich oder privat", erklärt Prof. Dr. Michael Hast, Professor für Psychologie an der IU und Projektbeteiligter.

Relevanz des Projekts

Das TiDE-Projektteam geht davon aus, dass die Digitalisierung den akademischen Bildungsmarkt künftig noch stärker prägen wird. Mit den zwei größten Fernstudienanbietenden Deutschlands – der IU mit über 80.000 Studierenden im Fernstudium und den rund 79.000 Studierenden der FernUniversität Hagen5 – ermöglicht das Projekt Einblicke in ein wachsendes Feld und erweitert den (inter-) nationalen Diskurs zu nicht-traditionellen Studierenden um die Perspektive des deutschen Fernstudiums.

Arbeitstagung am 23. Februar 2026 in Köln

Die Ergebnisse des Projekts werden auf der TiDE-Arbeitstagung „Der Eingang ins Fernstudium – Herausforderungen, Perspektiven und Gelingensfaktoren" am 23. Februar 2026 am IU Campus Hildeboldplatz in Köln vorgestellt. Die Veranstaltung bietet:

  • Aktuelle Einblicke aus Forschung und Praxis zum Studieneingang ins Fernstudium, eine Übersicht über die Studienanforderungen, die Studierende als kritisch erleben und interaktive Workshops mit praktischen Impulsen zur Gestaltung der Studieneingangsphase
  • Austausch und Vernetzung mit Kolleg:innen aus Forschung und Lehre

Die Teilnahme ist vor Ort oder digital per Livestream möglich. Anmeldung unter diesem Link. 

Weitere Informationen: https://www.iu.de/forschung/fachtagungen/tide-2026/

 

Über das Projekt TiDE

Das Verbundprojekt „Transition into Distance Education" (TiDE) wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in der Förderlinie „Wissenschafts- und Hochschulforschung – Forschung über nicht-staatliche Hochschulen" gefördert. Weitere Informationen unter: https://www.iu.de/forschung/projekte/tide/

 

1 DeStatis (2023b), zitiert in: https://www.forschung-und-lehre.de/lehre/steigende-studierendenzahlen-beim-fernstudium-6906

2 https://www.vdi-nachrichten.com/karriere/bildung/so-leben-studierende-in-deutschland/

3 https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/05/PD24_200_213.htm

4 Schweighart, R., Hast, M., Pampel, A. M., Rebien, J. A., & Trautwein, C. (2024). Transition into Distance Education: A Scoping Review. Education Sciences, 14(10), Article 10. https://doi.org/10.3390/educsci14101130 ; https://link.springer.com/article/10.1186/s41239-022-00342-w

5 https://www.fernuni-hagen.de/universitaet/zahlen.shtml

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ÜBER DIE IU INTERNATIONALE HOCHSCHULE

Mit rund 130.000 Studierenden ist die IU Internationale Hochschule (IU) Deutschlands größte Hochschule. Die private, staatlich anerkannte Bildungseinrichtung mit Sitz in Erfurt nahm im Jahr 2000 ihren Lehrbetrieb auf und ist heute an 37 Standorten vertreten. Die IU steht für maximale Flexibilität im Studium: ob dual, im Fernstudium oder am Campus – Studierende aus über 160 Nationen gestalten ihren Bildungsweg individuell je nach persönlicher Lebenssituation. Mit mehr als 200 Studienprogrammen im Bachelor-, Master- und MBA-Bereich vermittelt die IU praxisnahe Kompetenzen. Innovative Lernkonzepte fördern gezielte Zukunftsfähigkeiten für eine zunehmend KI-geprägte Arbeitswelt. Eine moderne, digital gestützte Lernumgebung sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ermöglichen effektives, personalisiertes Lernen. Als Vorreiterin in diesem Bereich hat die IU mit „Syntea“ einen eigenen digitalen Lernbegleiter entwickelt, der seit 2023 im Einsatz ist. Ein Netzwerk von über 15.000 Unternehmen – darunter Motel One, Vodafone, die AWO und die Deutsche Bahn – macht die IU zu einem starken Partner in der Ausbildung von Fachkräften und verbindet akademische Lehre konsequent mit der Praxis. Weitere Informationen unter: iu.de. 

 

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