Kira Liebe erhält IU Diversity Award 2026 für Arbeit zu Femiziden und patriarchaler Gewalt
IU-Absolventin untersucht Femizide am Beispiel Leipzig und zeigt Handlungsfelder für Gewaltschutz und Soziale Arbeit auf
IU-Absolventin untersucht Femizide am Beispiel Leipzig und zeigt Handlungsfelder für Gewaltschutz und Soziale Arbeit auf.
Leipzig, 6. November 2026. 308 Mädchen und Frauen wurden im Jahr 2024 in Deutschland getötet – das zeigt das aktuelle Lagebild des Bundeskriminalamts zu geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichteten Straftaten. Eine bundeseinheitliche polizeiliche Definition des Begriffs „Femizid" fehlt bislang. Genau dort setzt die Arbeit an, für die die Leipzigerin Kira Liebe ausgezeichnet wurde: Die 23-Jährige hat im Studiengang Soziale Arbeit (B.A.) an der IU Internationalen Hochschule ihre Bachelorarbeit dem Thema „Femizide als Ausdruck patriarchaler Gewalt – Risikofaktoren, mediale Deutungsmuster und Implikationen für den Gewaltschutz in der Sozialen Arbeit am Beispiel Leipzig" gewidmet. Dafür erhielt sie den IU Diversity Award 2026. Die Auszeichnung wird zweimal jährlich von der IU vergeben und würdigt herausragende Abschlussarbeiten, die sich wissenschaftlich fundiert und praxisnah mit Vielfalt, Chancengleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe auseinandersetzen.
„Kira Liebe gelingt es, ein gesellschaftlich hoch belastetes Thema aus der Einzelfallbetrachtung zu lösen und strukturelle Ursachen sichtbar zu machen“, sagt Ariane Weber, Mitarbeiterin im Gleichstellungsbüro der IU Internationalen Hochschule und Projektleiterin des IU Diversity Awards. „Ihre Arbeit verbindet wissenschaftliche Sorgfalt mit konkreten Ansätzen für die Praxis und zeigt, wo Gewaltschutz in der Sozialen Arbeit ansetzen kann. Besonders wertvoll ist dabei ihre Perspektive auf Frauen, die in bestehenden Schutzangeboten häufig nicht ausreichend mitgedacht werden.“
Strukturelle Ursachen im Fokus
In ihrer Bachelorarbeit untersucht Liebe, wie geschlechtsspezifische Gewalt mit gesellschaftlichen Hierarchien, stereotypen Geschlechterbildern und institutionellen Defiziten zusammenhängt. Durch ihre intersektionale Perspektive wird sichtbar, dass unterschiedliche Diskriminierungs- und Benachteiligungserfahrungen die Gefährdungslage von Frauen beeinflussen können.
Dabei bleibt die Arbeit nicht bei einer theoretischen Betrachtung. Liebe ordnet das Thema anhand von Fällen aus Leipzig ein und untersucht insbesondere, welche Bedeutung der Sozialen Arbeit beim Gewaltschutz zukommt.
„Femizide sind das Ende einer langen Kette – und an vielen Stellen dieser Kette könnte Soziale Arbeit ansetzen, wenn die Strukturen dafür da wären", sagt Liebe.
Eine zentrale Erkenntnis der Arbeit: Schutzkonzepte und Schutzunterkünfte müssen weiter ausgebaut werden. Besonders deutlich wurde für Liebe, dass Gewaltschutz für Frauen häufig auch Kinderschutz bedeutet – Schutzangebote für betroffene Kinder sollten daher stärker mitgedacht und ausgebaut werden. Kritisch bewertet sie zudem, dass viele geflüchtete Frauen aufgrund von Wohnsitzauflagen keinen Zugang zu Frauenhäusern oder anderen Schutzunterkünften erhalten.
Von der Bachelorarbeit in die Praxis
Kira Liebe will es nicht bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung belassen. Die Erkenntnisse ihrer Bachelorarbeit vertieft sie derzeit in ihrer Masterarbeit im Studiengang „Praxisentwicklung und Forschung in der Sozialen Arbeit" an der HTWK Leipzig, für den sie sich vor allem wegen des klaren Forschungsbezugs entschieden hat. Ihr nächstes Praktikum möchte sie in einem Frauenhaus absolvieren – mit dem Ziel, langfristig dort zu arbeiten und Frauen und Kinder zu unterstützen.
Neben ihrem Studium arbeitet Liebe in einer Bar und engagiert sich ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendhilfe. Ihre Motivation für das Thema entstand aus ihrem Interesse an Frauenrechten und Gleichstellung. Gleichzeitig hat es für sie eine persönliche Bedeutung: In Kindheit und Jugend wurde sie von vielen weiblichen Bezugspersonen geprägt.
Flexibles Studium als Voraussetzung
Soziale Arbeit zu studieren und gleichzeitig in Leipzig zu bleiben, war über den klassischen Weg für Kira Liebe kaum möglich: An einer Hochschule vor Ort war ein Studienplatz angesichts eines Numerus Clausus von 1,0 für sie keine realistische Option. Das flexible, digital gestützte Studienmodell der IU ermöglichte ihr, Wunschstudium, Arbeit und Engagement miteinander zu verbinden.
„An welcher Hochschule könnte ich sonst nachts um 3 oder aus dem Ausland heraus meine Klausuren schreiben?“, sagt Liebe. Besonders die Inhalte aus Psychologie und Soziologie hätten ihr bei der Entwicklung ihres Forschungsthemas geholfen.
IU als größter akademischer Ausbilder für Soziale Arbeit
Die IU Internationale Hochschule bildet derzeit rund 30.000 Menschen im Bereich Gesundheit und Soziales aus und ist damit der größte akademische Ausbilder in diesem Bereich. Im Fernstudium (Bachelor, Master, MBA), im dualen Studium sowie in Weiterbildungskursen an der IU Akademie können sich Interessierte für eine Vielzahl von Berufen im sozialen Bereich qualifizieren oder weiterbilden.
Termin-Hinweis: Queere Ringvorlesung seit 15. Oktober
Wie Soziale Arbeit Diskriminierung begegnen kann, ist auch Thema der bundesweiten „Queeren Ringvorlesung" der IU Internationalen Hochschule. Seit dem 15. Oktober 2026 diskutieren Expert:innen aus Wissenschaft, Politik und Praxis in fünf kostenfreien Online-Vorträgen bis Anfang Januar über queere Lebensrealitäten und die professionelle Verantwortung Sozialer Arbeit. Die Teilnahme ist ohne Anmeldung möglich und offen für alle Interessierten. Mehr Informationen unter: https://www.iu.de/news/queerfeindlichkeit-unter-druck-begegnen-iu-setzt-queere-ringvorlesung-ab-15-oktober-fort/
Über den IU Diversity Award
Die IU Internationale Hochschule verleiht den IU Diversity Award seit 2018 zweimal jährlich. Ausgezeichnet werden Bachelor- und Masterarbeiten von IU-Studierenden, die sich wissenschaftlich mit Diversität, Gleichstellung und gesellschaftlicher Teilhabe auseinandersetzen. Die Jury besteht aus einem zehnköpfigen Team von Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Fachabteilungen. Der Award ist mit einer Prämie von 500 Euro dotiert und leistet einen Beitrag dazu, die öffentliche Wahrnehmung für das Forschungsfeld Diversität zu erhöhen.
Zuletzt wurde Jenny Elisa Pabst aus Hamburg für ihre Handlungsleitlinien für die inklusive Kita-Praxis ausgezeichnet.
Weitere Informationen zu Gleichstellung und Diversität an der IU unter: https://www.iu.de/hochschule/diversity-und-gleichstellung/
Mit über 120.000 Studierenden ist die IU Internationale Hochschule (IU) Deutschlands größte Hochschule. Die private, staatlich anerkannte Bildungseinrichtung mit Sitz in Erfurt nahm im Jahr 2000 ihren Lehrbetrieb auf und ist heute an 24 Standorten sowie an einem virtuellen Campus vertreten. Die IU steht für maximale Flexibilität im Studium: ob dual, im Fernstudium oder am Campus – Studierende aus über 160 Nationen gestalten ihren Bildungsweg individuell je nach persönlicher Lebenssituation. Mit mehr als 200 Studienprogrammen im Bachelor-, Master- und MBA-Bereich vermittelt die IU praxisnahe Kompetenzen. Innovative Lernkonzepte fördern gezielte Zukunftsfähigkeiten für eine zunehmend KI-geprägte Arbeitswelt. Eine moderne, digital gestützte Lernumgebung sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ermöglichen effektives, personalisiertes Lernen. Als Vorreiterin in diesem Bereich hat die IU mit „Syntea“ einen eigenen digitalen Lernbegleiter entwickelt, der seit 2023 im Einsatz ist. Ein Netzwerk von über 15.000 Unternehmen – darunter Motel One, Vodafone, die AWO und die Deutsche Bahn – macht die IU zu einem starken Partner in der Ausbildung von Fachkräften und verbindet akademische Lehre konsequent mit der Praxis. Weitere Informationen unter: iu.de.
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