IU-Forschung zeigt: Ältere Menschen lernen den Umgang mit Geld vor allem im Alltag und in der Familie
Wie ältere Menschen zu ihrem Wissen über Geld gekommen sind und welche Bildungsangebote sie sich wünschen, hat das Forschungsprojekt „FinBiSen – Finanzielle Bildung von Senioren" der IU Internationalen Hochschule untersucht.
- Finanzwissen durch Erfahrung: Ältere Menschen lernen den Umgang mit Geld vor allem durch Lebenserfahrung und den Austausch mit anderen.
- Sicherheit hat Vorrang: Die Befragten setzen auf Rücklagen, vermeiden schwer einschätzbare Risiken und wünschen sich Beratung ohne Verkaufsinteressen.
- Finanzbildung früh verankern: Viele Befragte wünschen sich verbindliche Bildungsangebote in Schule und Studium, um jüngere Generationen auf finanzielle Entscheidungen vorzubereiten.
Erfurt, 27. Oktober 2026. Wer heute im Ruhestand ist, hat über Jahrzehnte finanzielle Entscheidungen getroffen, Verträge abgeschlossen, Kredite abgezahlt und für das Alter vorgesorgt. Einen Kurs dafür hat kaum jemand besucht. Wie ältere Menschen zu ihrem Wissen über Geld gekommen sind und welche Bildungsangebote sie sich wünschen, hat das Forschungsprojekt „FinBiSen – Finanzielle Bildung von Senioren" der IU Internationalen Hochschule in qualitativen Interviews untersucht. Befragt wurden 20 Personen ab einem Alter von 60 Jahren im Zeitraum von Oktober bis November 2025.
Lernen durch Erfahrung und im Austausch mit anderen
Finanzwissen entsteht fast nie im Seminarraum. Die Befragten berichten vor allem von Erfahrungen aus dem eigenen Leben. Häufig dann, wenn sie vor einer konkreten Entscheidung standen oder sich auf eine neue Situation einstellen mussten, beispielsweise beim ersten Gehalt, bei der Familiengründung, beim Hauskauf oder nach einschneidenden Veränderungen im Leben. Kurse und Seminare zur finanziellen Bildung spielten in ihren Berichten dagegen kaum eine Rolle.
Auch der Familie wird eine wichtige Bedeutung zugeschrieben: Angehörige geben Erfahrungen weiter, treffen finanzielle Entscheidungen gemeinsam oder teilen die Aufgaben untereinander auf.
Banken, Sparkassen und Steuerberatungen sind ebenfalls wichtige Anlaufstellen. Viele schätzen sie als über Jahrzehnte verlässliche Ansprechpersonen. Während viele Befragte Steuerberatungen als unabhängig wahrnehmen, äußern einige Zweifel daran, ob Banken immer im Interesse ihrer Kundinnen und Kunden handeln.
Lebensveränderungen prägen den Umgang mit Geld
Besonders prägend waren Entscheidungen rund um Wohneigentum. Der Hauskauf, die Aufnahme eines Kredits und dessen Rückzahlung stellten viele Befragte vor große finanzielle Herausforderungen.
Für Menschen aus Ostdeutschland war auch der gesellschaftliche und wirtschaftliche Umbruch von 1989/90 eine wichtige Erfahrung. Arbeitsplatzverluste, berufliche Veränderungen und neue Formen der Altersvorsorge machten es nötig, sich mit bisher ungewohnten finanziellen Fragen auseinanderzusetzen. Auch der Schritt in die Selbstständigkeit, der Renteneintritt und Veränderungen in der Familie beeinflussten, wie die Befragten mit Geld umgehen.
„Es ist paradox, dass Menschen wichtige finanzielle Entscheidungen treffen müssen, ohne den Umgang mit Geld systematisch gelernt zu haben. Ob es um Wertpapiere, das Verhältnis von Risiko und Rendite oder die kapitalgedeckte Altersvorsorge geht: Finanzielle Bildung darf nicht dem Zufall überlassen bleiben. Wir brauchen mehr konkrete Bildungsangebote, die Menschen befähigen, ihre finanziellen Entscheidungen informiert und selbstbestimmt zu treffen – in der Schule und darüber hinaus,“ sagt Prof. Dr. Johannes Treu, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre an der IU Internationalen Hochschule und Leiter des Forschungsprojekts.
Sicherheit ist besonders wichtig
Ein Ergebnis zieht sich durch viele Interviews: Die Befragten legen großen Wert auf finanzielle Sicherheit. Sie bilden Rücklagen, gehen vorsichtig mit Geld um und meiden Anlagen, deren Risiken sie nicht einschätzen können. Einige sorgen sich, im Alter finanzielle Verluste nur noch schwer ausgleichen zu können.
Zugleich möchten viele ihre finanziellen Entscheidungen selbst treffen. Die eigene Erfahrung gibt ihnen dabei Sicherheit. Wenn sie bereit sind, ein finanzielles Risiko einzugehen, ist ihnen wichtig, die Anlage und mögliche Folgen gut zu verstehen.
Beratung und Bildung sollen verständlich, unabhängig und lebensnah sein
Die Befragten wünschen sich persönliche Beratung, die verständlich ist, Vertrauen schafft und ohne Verkaufsinteressen auskommt. Hilfreich wären Angebote, die sich an konkreten Lebenssituationen orientieren, etwa am Übergang in den Ruhestand, an Fragen zur Vererbung oder an Entscheidungen rund um Wohnen und Pflege. Auch der Austausch mit Gleichaltrigen wird als sinnvoll genannt. Einige Befragte wünschen sich zudem Angebote speziell für Frauen, die in ihrem Leben weniger an finanziellen Entscheidungen beteiligt waren.
Wie Menschen mit Geld umgehen, wird oft schon in der Kindheit geprägt. Sparsamkeit und Schuldenvermeidung werden in Familien häufig vorgelebt. Wo über Geld kaum gesprochen wird oder einzelne Familienmitglieder von finanziellen Entscheidungen ausgeschlossen bleiben, kann dagegen Unsicherheit entstehen.
Viele Befragte sehen deshalb Grenzen des Lernens durch eigene Erfahrung und sprechen sich dafür aus, finanzielle Bildung verbindlich in Schule und Studium zu verankern. Jüngere Generationen sollen so besser auf finanzielle Entscheidungen vorbereitet werden.
Zur Methode
Grundlage der Untersuchung sind 20 problemzentrierte Interviews mit Seniorinnen und Senioren ab einem Alter von 60 Jahren, ausgewertet per qualitativer Inhaltsanalyse. Die Befragungen fanden im Zeitraum von Oktober bis November 2025 statt. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ für alle älteren Menschen, geben aber einen Einblick in die Erfahrungen, Einstellungen und Wünsche der befragten Personen.
Über das Forschungsprojekt FinBiSen
Die IU Internationale Hochschule startete Ende 2025 das interdisziplinäre Forschungsprojekt „FinBiSen – Finanzielle Bildung von Senioren“. Es untersucht, über welches Finanzwissen ältere Menschen verfügen und welche Unterstützung sie benötigen. Ziel ist es, eine wissenschaftliche Grundlage für Bildungsangebote zu schaffen, die ältere Menschen dabei unterstützen, ihre finanziellen Angelegenheiten selbstbestimmt zu gestalten. Das Projekt wird von Prof. Dr. Johannes Treu (Betriebs- und Volkswirtschaftslehre), Prof. Dr. Stephan Otto (Kindheitspädagogik) und Prof. Dr. Okka Zimmermann (Soziale Arbeit) geleitet.
Mehr Informationen siehe Pressemeldung zum Projektstart sowie FinBiSen-Forschungsseite.
Finanzbildung als Forschungsthema an der IU
Prof. Dr. Johannes Treu forscht an der IU zu finanzieller Bildung und ist regelmäßig als Experte in den Medien vertreten. 2026 veröffentlichte er das Buch „Finanzielle Bildung, Finanzielle Inklusion, Finanzielles Wohlergehen, Nachhaltige Finanzen und Fintech“. In den vergangenen Jahren war er zudem an folgenden IU-Studien beteiligt:
2025: „Finanzielles Wohlbefinden: Stimmungslage in Deutschland“
2023: „Finanzielle Bildung – Wie steht es um das Finanzwissen in Deutschland?“
2022: „Die aktuelle Inflation. Wie fühlt sie sich an?“
Kontakt für Rückfragen
Prof. Dr. Johannes Treu
Professur für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre
IU Internationale Hochschule
johannes.treu@iu.org
Mit über 120.000 Studierenden ist die IU Internationale Hochschule (IU) Deutschlands größte Hochschule. Die private, staatlich anerkannte Bildungseinrichtung mit Sitz in Erfurt nahm im Jahr 2000 ihren Lehrbetrieb auf und ist heute an 24 Standorten sowie an einem virtuellen Campus vertreten. Die IU steht für maximale Flexibilität im Studium: ob dual, im Fernstudium oder am Campus – Studierende aus über 160 Nationen gestalten ihren Bildungsweg individuell je nach persönlicher Lebenssituation. Mit mehr als 200 Studienprogrammen im Bachelor-, Master- und MBA-Bereich vermittelt die IU praxisnahe Kompetenzen. Innovative Lernkonzepte fördern gezielte Zukunftsfähigkeiten für eine zunehmend KI-geprägte Arbeitswelt. Eine moderne, digital gestützte Lernumgebung sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ermöglichen effektives, personalisiertes Lernen. Als Vorreiterin in diesem Bereich hat die IU mit „Syntea“ einen eigenen digitalen Lernbegleiter entwickelt, der seit 2023 im Einsatz ist. Ein Netzwerk von über 15.000 Unternehmen – darunter Motel One, Vodafone, die AWO und die Deutsche Bahn – macht die IU zu einem starken Partner in der Ausbildung von Fachkräften und verbindet akademische Lehre konsequent mit der Praxis. Weitere Informationen unter: iu.de.
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