23
Juli
2026
|
16:53
Europe/Amsterdam

Wenn Gestaltung Demokratie sichtbar macht

150 Teilnehmende, elf Workshops, drei Tage: Das Design Democracy Camp an der IU Frankfurt verband Design, Architektur und Soziale Arbeit zu neuen Formen gesellschaftlicher Beteiligung

Zusammenfassung

Drei Tage lang wurde der Campus der IU Internationalen Hochschule in Frankfurt beim Design Democracy Camp zu einem offenen Arbeitsraum für Zukunftsfragen.

Frankfurt am Main, 23. Juli 2026. Drei Tage lang wurde der Campus der IU Internationalen Hochschule am Diesterwegplatz in Frankfurt zu einem offenen Arbeitsraum für Zukunftsfragen. Beim Design Democracy Camp kamen vom 12. bis 14. Juni 2026 rund 150 Menschen zusammen, um in ko-kreativen Werkstätten, Stadterkundungen und Workshops zu erproben, was Gestaltung leisten kann, wenn sie als demokratische Praxis verstanden wird. Das dreitägige Werkstattformat war offizieller Bestandteil des Programms der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026.

In drei Themenwelten und elf Workshops beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Fragen von Demokratie, Teilhabe und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Ergänzt wurden die praktischen Formate durch öffentliche Panels und Diskussionsrunden, die Perspektiven aus Gestaltung, Architektur, Sozialer Arbeit und Zivilgesellschaft zusammenführten. Im Mittelpunkt stand nicht die Suche nach schnellen Lösungen, sondern die gemeinsame Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir Zukunft gestalten wollen.

Die Teilnehmenden entwickelten Interventionen im öffentlichen Raum, untersuchten Leerstand als Ressource für Gemeinschaft, gestalteten demokratische Zukunftsbilder, übersetzten Stimmen in visuelle Formen und erprobten neue Wege der Beteiligung. Aus Gesprächen wurden Ideen. Aus Ideen entstanden Artefakte, Installationen, Prototypen, Aktionen und Diskussionen.

Im Themenfeld „Protest & Intervention“ arbeiteten Teilnehmende im Lab „Wir kommen um zu stören!“ mit Stadtspaziergängen, Perspektivwechseln und temporären Interventionen daran, urbane Ausschlüsse sichtbar zu machen.

Design Democracy Camp 2026


„Gestaltung kann sichtbar machen, was im Stadtraum systematisch übersehen wird. Im Lab ‚Wir kommen um zu stören‘ haben wir gemeinsam erkundet, wer im öffentlichen Raum wenig Platz findet und wie aus dem gemeinsamen Hinschauen Solidarität und Zivilcourage als gestaltbare Frage werden“, sagt Prof. Annelie Franke, Professorin für Mediendesign an der IU Internationalen Hochschule und Initiatorin des Camps.


„Zeichen & Gemeinschaft“ übersetzte das Lab „Stimme zeigen“ Stimmen, Sprache und Geräusche mit audioreaktiven Techniken in visuelle Formen. 
 

Design Democracy Camp 2026


„Gemeinsame Zukunft entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Design schafft die Anlässe und Räume, in denen aus Austausch neue Ideen und Zukunftsbilder werden“, sagt Prof. Tanja Godlewsky, Professorin für Mediendesign an der IU Internationalen Hochschule.


„Stadt & Teilhabe“ verstand das Lab „Leerstand für alle“ Stadt als Aushandlungsraum und diskutierte Bestand und Obsoleszenz als Ressource für Dritte Orte. Ergänzt wurde dies durch das Design-Build-Projekt „Dialogkiosk“, ein temporäres, modulares Stadtmöbel aus wiederverwendeten Materialien, das als öffentlicher Ort für Begegnung und Austausch konzipiert wurde. 
 

Design Democracy Camp 2026


„Gute Architektur beginnt mit Zuhören. Der Dialogkiosk zeigt, wie aus Leerstand durch Austausch, Beteiligung und gemeinsames Handeln neue Orte des Lernens, der Begegnung und der Transformation entstehen können.“, sagt Prof. Dr.-Ing. Bettina-Maria Müller, Professorin für Architektur an der IU Internationalen Hochschule und Projektleitung Architektur.


Der Sprint „Gemeinsam Raum nehmen“ der Sozialen Arbeit fragte bei einer Stadtteilbegehung, wer in Frankfurter Quartieren Raum einnimmt und wer nicht.

Weitere Sprints widmeten sich Grundrechten als Gestaltungsaufgabe, dem Begriff „Demokratie in einem Wort“, „Zeichen für den Frieden“ in der Tradition von Matisse, der Rolle von Marken in demokratischen Diskursen sowie demokratischen Utopien in autoritären Zeiten.

Ergänzt wurde das Programm durch den Schulworkshop „Memes for Democracy“. Frankfurter Schüler:innen entwickelten dabei eigene visuelle Antworten auf Hate Speech und Fake News.
 

Design Democracy Camp 2026


Die aktuellen gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen erfordern neue, transdisziplinäre Herangehensweisen. Besonders die Aktivierung von Leerständen birgt Potenzial. Sie kann sogenannte Dritte Orte schaffen, also offene Räume für Begegnung, Austausch und Teilhabe, und kann damit demokratische Prozesse im Alltag stärken.

Eine zentrale Rolle spielt dabei Design. Denn Gestaltung macht Themen sichtbar, übersetzt Ideen in konkrete Erfahrungen und eröffnet neue Formen der Beteiligung. Im Zusammenspiel mit Architektur und Sozialer Arbeit entstehen Formate, die gesellschaftliche Mitwirkung fördern und unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen.

Das Design Democracy Camp verband Diskussion, Gestaltung und öffentliche Präsentation. Ideen wurden in Workshops und Labs entwickelt, in Panels diskutiert und in Interventionen, Prototypen sowie einer öffentlichen Ausstellung sichtbar gemacht.

Besonders deutlich wurde das Potenzial dieses Ansatzes in den zahlreichen Begegnungen mit Passant:innen und Besucher:innen. Die entwickelten Arbeiten dienten als Gesprächsanlass und öffneten Räume für Austausch, Reflexion und gemeinsames Nachdenken über gesellschaftliche Fragen. Die öffentliche Abschlussausstellung machte sichtbar, wie groß das Interesse an solchen Formaten ist und wie stark das Bedürfnis vieler Menschen ist, sich einzubringen, mitzudenken und mitzugestalten.

Die Ergebnisse aller Workshops, darunter Plakate, Mappings, Interventionen, Installationen, der Dialogkiosk und visuelle Statements, wurden am letzten Abend in einer öffentlichen Ausstellung auf dem Campus präsentiert.
 

Design Democracy Camp 2026


Eine zentrale Erkenntnis des Camps lautet: Denken entsteht nicht nur durch Diskussion, sondern durch gemeinsames Handeln. Gestaltung schafft konkrete Anlässe für Austausch, macht unterschiedliche Perspektiven sichtbar und eröffnet Räume, in denen gesellschaftliche Zukunft gemeinsam entworfen werden kann.

Das Design Democracy Camp versteht sich deshalb nicht als einmalige Veranstaltung. Das Format ist als Prototyp für neue Formen des Lernens, Forschens und Zusammenarbeitens angelegt und ist damit auch auf andere Städte und Kontexte übertragbar. Es zeigt, welches Potenzial entsteht, wenn Hochschulen ihre Türen öffnen und zu Orten werden, an denen gesellschaftliche Zukunft gemeinsam gestaltet wird.

Getragen wurde das Camp von rund 16 Professor:innen aus den Bereichen Mediendesign, Architektur und Soziale Arbeit. Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Annelie Franke, Prof. Tanja Godlewsky, Prof. Dr.-Ing. Bettina-Maria Müller und Prof. Holger Ziemann. Die Teilnahme war kostenfrei.

Hintergrund: World Design Capital 2026

Die World Design Organization vergibt alle zwei Jahre den Titel „World Design Capital" an eine Stadt oder Region, die Design gezielt für gesellschaftliche, ökologische und wirtschaftliche Entwicklung einsetzt. 2026 trägt die Region Frankfurt RheinMain diesen Titel unter dem Leitmotiv „Design for Democracy — Atmospheres for a better life".

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ÜBER DIE IU INTERNATIONALE HOCHSCHULE

Mit rund 130.000 Studierenden ist die IU Internationale Hochschule (IU) Deutschlands größte Hochschule. Die private, staatlich anerkannte Bildungseinrichtung mit Sitz in Erfurt nahm im Jahr 2000 ihren Lehrbetrieb auf und ist heute an 37 Standorten vertreten. Die IU steht für maximale Flexibilität im Studium: ob dual, im Fernstudium oder am Campus – Studierende aus über 160 Nationen gestalten ihren Bildungsweg individuell je nach persönlicher Lebenssituation. Mit mehr als 200 Studienprogrammen im Bachelor-, Master- und MBA-Bereich vermittelt die IU praxisnahe Kompetenzen. Innovative Lernkonzepte fördern gezielte Zukunftsfähigkeiten für eine zunehmend KI-geprägte Arbeitswelt. Eine moderne, digital gestützte Lernumgebung sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ermöglichen effektives, personalisiertes Lernen. Als Vorreiterin in diesem Bereich hat die IU mit „Syntea“ einen eigenen digitalen Lernbegleiter entwickelt, der seit 2023 im Einsatz ist. Ein Netzwerk von über 15.000 Unternehmen – darunter Motel One, Vodafone, die AWO und die Deutsche Bahn – macht die IU zu einem starken Partner in der Ausbildung von Fachkräften und verbindet akademische Lehre konsequent mit der Praxis. Weitere Informationen unter: iu.de.

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