24
Juni
2026
|
15:00
Europe/Amsterdam

Studie zeigt: Bleisure Travel und Workation schaffen neue touristische Nachfrage

Der erste Bleisure & Workation Monitor Deutschland zeigt erhebliche Potenziale für Destinationen, touristische Betriebe und Arbeitgebende

Zusammenfassung

Der erste Bleisure & Workation Monitor Deutschland zeigt erhebliche Potenziale für Destinationen, touristische Betriebe und Arbeitgebende.

Erfurt/Mainz, 24. Juni 2026. Geschäftsreisen werden zunehmend zum Ausgangspunkt zusätzlicher touristischer Nachfrage. Bereits 44 Prozent aller Geschäftsreisenden verlängern ihre Dienstreise für private Aktivitäten, jeder Fünfte nutzt bereits Workation-Angebote. Das zeigt der neue und erste „Bleisure & Workation Monitor Deutschland", dessen Ergebnisse heute im Rahmen einer Fachveranstaltung in der Rheingoldhalle Mainz vorgestellt wurden. An der hybriden Ergebnispräsentation nahmen mehr als 120 Vertreterinnen und Vertreter aus Tourismus, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik teil. 

Das Besondere des Monitors: Erstmals in Deutschland wurden Angebot und Nachfrage von Bleisure Travel und Workation gemeinsam untersucht. Die Befragung von mehr als 1.000 Geschäftsreisenden und rund 300 touristischen Anbietern liefert einen umfassenden Einblick in dieses wachsende Marktsegment. Die von der IU Internationalen Hochschule durchgeführten Untersuchungen schaffen damit erstmals eine belastbare Datengrundlage für Destinationen, touristische Betriebe und Arbeitgebende. Die sechs Thesen des „Mainzer Impulses“ bildeten die Grundlage für die anschließenden Diskussionen im Podiumgespräch und Praxisworkshop. Die zentrale Erkenntnis: Die Nachfrage nach Bleisure Travel und Workation ist bereits da – vielerorts entwickelt sie sich schneller als die entsprechenden Angebote. 

Marktpotenzial bereits heute sichtbar 

Bleisure Travel ist längst im Reisemarkt angekommen: Fast die Hälfte der befragten Geschäftsreisenden verbindet berufliche Termine mit privaten Aktivitäten und verlängert ihren Aufenthalt im Durchschnitt um zwei zusätzliche Nächte. Das Marktpotenzial liegt bei rund 60 Prozent aller Geschäftsreisenden. 

Auch Workation – das Arbeiten von einer Urlaubsdestination aus – gewinnt an Bedeutung. Bereits rund ein Viertel der befragten Geschäftsreisenden verfügt über eigene Workation-Erfahrungen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei rund sechs Tagen. Besonders gefragt sind Destinationen mit hoher Aufenthaltsqualität und guter digitaler Infrastruktur. 

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Bleisure Travel und Workation keineswegs nur auf Großstädte beschränkt sind. Gerade ländliche Regionen mit hoher Lebensqualität, attraktiven Natur- und Freizeitangeboten und guter Erreichbarkeit bieten Rahmenbedingungen, die für Bleisure- und Workation-Gäste besonders attraktiv sind. 

„Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Bleisure Travel und Workation längst keine Nischenthemen mehr sind. Gerade für Bundesländer wie Rheinland-Pfalz ergeben sich neue Chancen, Geschäftsreisende länger in der Destination zu halten und sie als spätere Urlaubsgäste wiederzugewinnen. Entscheidend ist jetzt, diese Potenziale durch sichtbare Angebote und starke regionale Netzwerke gezielt zu erschließen“, erklärt Stefan Zindler, Geschäftsführer der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH. 

Geschäftsreisen werden zum Türöffner für spätere Urlaubsreisen 

Besonders bemerkenswert ist der Einfluss von Bleisure und Workation auf die spätere Freizeitnachfrage. Reisende, die Arbeit und Freizeit miteinander verbinden, kehren deutlich häufiger als private Gäste an ihre Geschäftsreisedestination zurück. 

Während unter allen Geschäftsreisenden 51 Prozent später privat zurückkehren, liegt dieser Anteil bei Bleisure Travel-Reisenden sowie Workation-Nutzenden jeweils auf etwa 64 Prozent. Geschäftsreisen werden damit zunehmend zum Erstkontakt mit einer Destination und können langfristig zusätzliche, private Urlaubsreisen auslösen. Bleisure Travel und Workation wirken somit als Treiber der touristischen Nachfrage und stärken die touristische Wertschöpfung weit über die eigentliche Geschäftsreise hinaus. 

Nachfrage wächst schneller als das Angebot 

Neben der Befragung der Geschäftsreisenden wurden erstmals auch touristische Anbieter in Deutschland untersucht. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Lücke zwischen dem bestehenden Marktpotenzial und der Marktbearbeitung. 

Zwar erkennen viele Betriebe die Chancen von Bleisure und Workation – etwa durch zusätzliche Umsätze, bessere Auslastung oder neue Zielgruppen. Gleichzeitig verfügen jedoch knapp 80 Prozent der Beherbergungsbetriebe über keine spezifischen Angebote für diese Zielgruppen. Auch strategisch ist das Thema vielerorts noch wenig verankert: Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe reagiert bislang eher kurzfristig und situativ auf entsprechende Anfragen.

Prof. Dr. Peter Neumann

„Viele Destinationen und Betriebe haben diese Zielgruppen bereits im Haus, ohne sie gezielt auf Bleisure- und Workation-Angebote anzusprechen. Genau darin liegen erhebliche Wachstumschancen für den Deutschlandtourismus: Die Gäste sind bereits vor Ort – aus Geschäftsreisenden können zusätzliche Freizeitgäste und Wiederkehrer werden“, so Prof. Dr. Peter Neumann von der IU Internationalen Hochschule. 

Arbeitgebende werden zu neuen Akteuren touristischer Nachfrage 

Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Rolle der Arbeitgebenden. Viele Hürden für Bleisure Travel und Workation liegen nicht auf Seiten der Destinationen oder Betriebe, sondern in fehlenden Regelungen oder unternehmensinternen Richtlinien der Arbeitgebenden. Flexible Arbeitsmodelle verändern zunehmend auch das Reiseverhalten von Beschäftigten. 

Für viele Geschäftsreisende erhöhen Bleisure Travel und Workation die Attraktivität eines Arbeitgebenden und werden zunehmend als Merkmal moderner Arbeitsbedingungen wahrgenommen. 

„Bleisure Travel und Workation sind längst zu wichtigen Impulsgebern über den klassischen Tourismus hinaus geworden. Gerade für den Tagungs- und Kongressstandort Deutschland eröffnen sich damit neue Chancen, Geschäftsreisen zeitgemäßer zu gestalten, zusätzliche Wertschöpfung zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Destinationen nachhaltig zu stärken“, sagt Katja Mailahn, Geschäftsführerin der mainzplus GmbH und Sprecherin des Convention Bureau Rheinland-Pfalz. 

Über den Monitor 

Der „Bleisure & Workation Monitor Deutschland“ wird von der IU Internationalen Hochschule gemeinsam mit Partnerregionen und Praxisunternehmen durchgeführt. Ziel ist es, die Entwicklung von Bleisure Travel und Workation in Deutschland wissenschaftlich zu begleiten und touristischen Akteur:innen erstmals eine belastbare Datengrundlage zu Marktpotenzialen, Zielgruppen und Angebotsstrukturen bereitzustellen. Das Forschungsteam um Prof. Dr. Peter Neumann, Prof. Dr. Sven Pastowski, Prof. Dr. Claudia Strassburger und Dr. Andreas Zimmer führte zwischen 2025 und 2026 umfangreiche Onlinebefragungen, Fokusgruppen und Expert:inneninterviews mit Geschäftsreisenden, touristischen Leistungsträger:innen und Destinationsmanagement-Organisationen durch. Der „Bleisure & Workation Monitor Deutschland“ soll künftig regelmäßig fortgeführt werden, um der Tourismusbranche aktuelle und belastbare Daten zur Entwicklung von Bleisure Travel und Workation bereitzustellen. 
Weitere Informationen unter: https://www.bleisure-workation-monitor.de/ 

Ansprechpartner für Interviews 

Prof. Dr. Peter Neumann 
Professor Tourismuswirtschaft 
peter.neumann@iu.org

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ÜBER DIE IU INTERNATIONALE HOCHSCHULE

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