IU Studie 2026 | Executive Summary
Höchstarbeitszeit, flexible Arbeitszeiten und der 12-Stunden-Tag: Um diese Begriffe dreht sich die aktuelle Debatte zur 48-Stunden-Woche. Die Bundesregierung plant im Rahmen einer Reform des Arbeitszeitgesetzes – wie im Koalitionsvertrag festgehalten – eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Künftig soll anstelle einer täglichen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten. Arbeitstage mit bis zu 12 Stunden könnten dann durch entsprechend kürzere Arbeitszeiten an anderen Tagen ausgeglichen werden.
Die repräsentative IU Studie lässt die Arbeitnehmenden in Deutschland zu Wort kommen. Das Ergebnis: Viele Befragte befürchten negative Effekte durch die 48-Stunden-Woche, wie weniger Freizeit und eine höhere Belastung. Von einer 4-Tage-Woche erwartet die Mehrheit dagegen vor allem positive Effekte auf Lebensqualität, Zufriedenheit und Produktivität. Diese Ergebnisse decken sich mit dem Kern des 4-Tage-Modells: eine bewusst verschlankte, effizient organisierte Arbeitsweise.
Prof. Dr. Malte Martensen, Professor für Allgemeine BWL mit Schwerpunkt Personalmanagement und Organisation an der IU Internationalen Hochschule, ordnet die Diskussion um Arbeitsmodelle ein: „Die zentrale Frage ist nicht, ob wir mehr oder weniger arbeiten, sondern wie wir Arbeit zukunftsfähig gestalten können.“
Bei der im Koalitionsvertrag geplanten 48-Stunden-Woche geht es um ein Arbeitszeitmodell, bei dem die bislang geltende tägliche Höchstarbeitszeit in Deutschland (meist 8 Stunden pro Tag bzw. zeitweise bis zu 10 Stunden pro Tag) zugunsten einer wöchentlichen Obergrenze umgebaut werden soll.
Angestellte könnten dann z. B. bis zu 48 Stunden pro Woche arbeiten, und an einzelnen Tagen auch bis zu 12 Stunden oder mehr, wenn sie an anderen Tagen entsprechend weniger arbeiten. Das Gehalt bleibt unverändert, sofern die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit nicht erhöht wird.
Die 4-Tage-Woche beschreibt ein Arbeitszeitmodell, bei dem Angestellte 32 Stunden pro Woche arbeiten, jedoch voll vergütet werden und volle Anforderungen an das Arbeitsergebnis erfüllen. Dieses Modell ermöglicht eine Verteilung der Arbeitsaufgaben auf 4 Tage, während der fünfte Tag u.a. zur Erholung, für Familie, Hobbys oder ehrenamtliche Tätigkeiten genutzt werden kann.
In vielen Unternehmen wurde oder wird die 4-Tage-Woche aktuell als Pilotprojekt getestet, um Effekte auf Produktivität, Mitarbeitendenzufriedenheit und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu evaluieren.
Key Facts
Vollzeit ist das beliebteste Arbeitszeitmodell
44,7 %
der Arbeitnehmenden in Deutschland geben an: Das klassische Vollzeitmodell mit 35 bis 40 Stunden pro Woche passt am besten zur Lebenssituation.
48-Stunden-Woche: Viele befürchten negative Auswirkungen
73,5 %
der Befragten, die aktuell 35 Stunden oder mehr pro Woche arbeiten, gehen davon aus, dass sich eine 48-Stunden-Woche negativ auf ihr Leben auswirken würde.
Weniger Konzentration und mehr Fehler durch 12-Stunden-Tage
84,8 %
der Befragten in Vollzeit stimmen der Aussage voll und ganz oder eher zu, dass eine tägliche Arbeitszeit von bis zu 12 Stunden zu sinkender Konzentration und mehr Fehlern führen würde.
4-Tage-Woche: Mehrheit blickt positiv auf die Vollzeit-Variante
83,2 %
der Befragten, die aktuell 32 Stunden pro Woche oder mehr arbeiten, denken, dass sich eine 4-Tage-Woche mit Vollzeit-Anspruch positiv auf ihr Leben auswirkt.
Aufgrund von Rundung können marginale Abweichungen in den Messergebnissen auftreten.
Das klassische Vollzeitmodell mit 35 bis 40 Stunden pro Woche ist für 44,7 Prozent der Arbeitnehmenden in Deutschland die erste Wahl. Laut der Befragten passt es am besten zur aktuellen Lebenssituation zwischen Work, Life und Finanzen (unabhängig davon, wie viel die Befragten aktuell tatsächlich arbeiten).
Den zweiten Platz erobert die 4-Tage-Woche: 33,9 Prozent sprechen sich für die Vollzeit-Variante mit 32 Stunden pro Woche bei vollem Gehalt und vollen Aufgaben aus. Eine klassische Teilzeit-Anstellung mit weniger als 35 Stunden pro Woche bevorzugen nur knapp ein Fünftel der Befragten.
18,5 %
44,7 %
33,9 %
2,9 %
Frage: Unabhängig von dem Arbeitszeitmodell, in dem Sie aktuell tätig sind: Welches der folgenden Arbeitszeitmodelle würde am besten in Ihre aktuelle Lebenssituation (Arbeits-, Privatleben und finanzielle Situation) passen?
Schwerpunkt
Knapp drei Viertel der klassischen Vollzeit-Angestellten in Deutschland glauben, dass sich eine gesetzliche Höchstarbeitszeit von bis zu 48 Stunden pro Woche sehr oder eher negativ auf ihr Leben auswirken würde. Nur etwa jede:r Vierte geht von einem positiven Effekt aus.
Frage: Was denken Sie: Wie würde sich eine max. 48-Stunden-Woche auf Ihr Leben auswirken?
Nur Befragte, die aktuell 35 Stunden pro Woche oder mehr arbeiten
Am häufigsten erwarten Befragte folgende Aspekte bei einer 48-Stunden-Woche: zu wenig Zeit für Familie, Freund:innen, Hobbys, weniger Lebensqualität und drohende körperliche oder psychische Probleme. Auch Auswirkungen wie ein erhöhtes Fehler-Risiko durch sinkende Konzentration oder zu wenig Zeit für Care-Arbeit sprechen laut IU Studie gegen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden.
Erst ab Platz elf der genannten möglichen Auswirkungen stehen positive Aspekte wie die Möglichkeit, dank 48-Stunden-Woche spontan auf ein erhöhtes Arbeitsaufkommen zu reagieren, Arbeitszeiten flexibel zu gestalten oder Projekte schneller abschließen zu können.
Frage: Welche Aspekte würden sich Ihrer Meinung nach bei einer max. 48-Stunden-Woche auf Ihr Leben auswirken?
Nur Befragte, die aktuell 35 Stunden pro Woche oder mehr arbeiten
Steigt mit der Flexibilisierung der Arbeitszeit auch das Risiko für Fehler? Ja, glauben mehr als 8 von 10 Angestellten in Vollzeit.
Frage: Inwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu?
Nur Antworten „Stimme ich voll und ganz zu“ und „Stimme ich eher zu“ auf 4er-Skala; Nur Befragte, die aktuell 35 Stunden pro Woche oder mehr arbeiten

Prof. Dr. Malte Martensen
Professor für Allgemeine BWL mit Schwerpunkt Personalmanagement und Organisation an der IU Internationalen Hochschule
Die 4-Tage-Woche gilt als modernes Vollzeit-Modell, das in Deutschland bereits in Pilotprojekten getestet wird. Anders als bei der 48-Stunden-Woche geht es nicht um eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit, sondern um eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 4 Tage und 32 Stunden – bei vollem Gehalt. Ermöglicht wird das unter anderem durch schlankere Prozesse für mehr Produktivität. Doch was sagen Arbeitnehmende zu diesem Konzept?
Die Ergebnisse sind eindeutig: 83,2 Prozent der Arbeitnehmenden (die aktuell 32 Stunden pro Woche oder mehr arbeiten) denken, eine 4-Tage-Woche würde sich sehr oder eher positiv auf ihr Leben auswirken. Zum Vergleich: Bei der 48-Stunden-Woche sagen das lediglich 26,5 Prozent der befragten Angestellten in Vollzeit.
Frage: Was denken Sie: Wie würde sich eine 4-Tage-Woche mit 32 Stunden bei vollem Gehalt und Vollzeit-Anforderungen an das Arbeitsergebnis auf Ihr Leben auswirken?
Nur Befragte, die aktuell 32 Stunden pro Woche oder mehr arbeiten
*Mit 32 Stunden bei vollem Gehalt und Vollzeit-Anforderungen an das Arbeitsergebnis.
Im Gegensatz zur 48-Stunden-Woche nennen die Befragten vor allem positive Aspekte, wenn es um die 4-Tage-Woche geht: mehr Zeit für Familie und Freund:innen, mehr Zeit für Hobbys und mehr Erholung am Stück sind die meistgenannten Auswirkungen einer verkürzten Arbeitswoche auf das eigene Leben.
Die Mehrheit der Befragten geht zudem davon aus, dass durch den zusätzlichen freien Tag die persönliche Lebensqualität und Zufriedenheit steigen. Mehr als ein Drittel sieht auch die Chance auf mehr Produktivität an den Arbeitstagen.
Frage: Welche Aspekte würden sich Ihrer Meinung nach bei einer 4-Tage-Woche mit 32 Stunden bei vollem Gehalt und Vollzeit-Anforderungen an das Arbeitsergebnis am stärksten auf Ihr Leben auswirken?
Nur Befragte, die aktuell 32 Stunden pro Woche oder mehr arbeiten
Prof. Dr. Malte Martensen
Professor für Allgemeine BWL mit Schwerpunkt Personalmanagement und Organisation an der IU Internationalen Hochschule
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