Bevor wir in die Auswirkungen der digitalen Überlastung eintauchen, erklärt Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Stefanie André kurz den Unterschied zwischen einem Symptom und einer Folge von Stress. Und sie erläutert, warum die Abgrenzung der beiden Begriffe schwerfällt.
Symptome von Stress sind unmittelbar wahrnehmbare Anzeichen einer psychischen oder körperlichen Beanspruchung. Typische Symptome sind innere Unruhe, Anspannung, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Konzentrationsprobleme. Art und Intensität der Symptome variieren dabei individuell und situativ — Stress ist kein klinisches Diagnosebild.
Folgen von Stress sind längerfristige Auswirkungen, die infolge anhaltender oder wiederkehrender Belastungssituationen entstehen. Sie können sich in emotionalen Veränderungen (z. B. Erschöpfung), kognitiven Beeinträchtigungen (z. B. Konzentrationsprobleme), körperlichen Beschwerden (z. B. Schlafstörungen) sowie verhaltensbezogenen Veränderungen (z. B. sozialer Rückzug) äußern — bis hin zu längerfristigen Zuständen wie Burn-out.
Die Abgrenzung zwischen Symptomen und Folgen von Stress ist schwierig, da viele Belastungserscheinungen nicht eindeutig nur einer der beiden Kategorien zugeordnet werden können — Erschöpfung etwa kann sowohl unmittelbares Symptom als auch längerfristige Folge sein.
Im Folgenden werden Symptome und Folgen zusammenfassend als stressbezogene Auswirkungen bezeichnet.

Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Stefanie André
Professorin für Gesundheitsmanagement an der IU Internationalen Hochschule
Laut repräsentativer IU Studie nehmen die Menschen in Deutschland die Auswirkungen der digitalen Erreichbarkeit in vielfältigen Ausprägungen wahr. Besonders häufig erleben die Befragten: Ablenkbarkeit, Stress und das Gefühl, von digitalen Medien abhängig zu sein bzw. ständig „auf Empfang“ zu stehen. Digitaler Stress äußert sich zudem in Anspannung, Erschöpfung und Schlafproblemen.
Frauen geben häufiger als Männer an, sich aufgrund der ständigen Erreichbarkeit leicht ablenkbar und von digitalen Medien abhängig zu fühlen.
Frage: Welche der folgenden negativen Auswirkungen erleben Sie durch digitale Erreichbarkeit im Alltag?
Top-15-Nennungen
44,2 Prozent haben das Gefühl, gedanklich ständig „auf Empfang“ zu sein, und 46,9 Prozent fühlen sich im Kopf angespannt, auch wenn sie eigentlich abschalten möchten. Je jünger die Befragten, desto häufiger geben sie an, solche Always-on-Muster zu erleben.
Frage: Inwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu: „Ich habe das Gefühl, gedanklich ständig ‚auf Empfang‘ zu sein.“
Auszug aus abgefragten Statements
Frage: Inwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu: „Ich fühle mich im Kopf angespannt, auch wenn ich eigentlich abschalten möchte.“
Auszug aus abgefragten Statements
Digitale Unterbrechungen sind Mikro-Trigger der digitalen Belastung: Vielen fällt es schwer, digitale Benachrichtigungen zu ignorieren, und sie lassen sich von digitalen Geräten im Alltag ablenken (siehe Kapitel „Wahrnehmung vs. Wahrheit“). Das hat Konsequenzen für die Konzentrationsfähigkeit:
Frage: Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?
Auszug aus abgefragten Statements; nur Antworten „Stimme ich voll und ganz zu“ und „Stimme ich eher zu“ auf 4er-Skala
³ Nur Befragte, die Angestellte, Auszubildende oder Trainees sind
Frage: Inwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu?
Auszug aus abgefragten Statements; nur Antworten „Stimme ich voll und ganz zu“ und „Stimme ich eher zu“ auf 4er-Skala
Wie gut kommen die Menschen in Deutschland durch ihren (digitalen) Alltag? Die Antwort: 31,2 Prozent fühlen sich manchmal am Ende des Tages emotional oder mental erschöpft. Für 32,0 Prozent ist das ein häufiger oder sogar täglicher Zustand – besonders betroffen sind Frauen (38,5 Prozent).
Frage: Wie häufig haben Sie in den letzten 4 Wochen Folgendes erlebt: „Ich fühlte mich am Ende des Tages emotional oder mental erschöpft.“
31,9 Prozent berichten außerdem von häufigen oder täglichen Problemen beim Ein- oder Durchschlafen. Auch hier fällt auf: Frauen erleben dies häufiger (38,6 Prozent) als Männer (25,0 Prozent).
Frage: Wie häufig haben Sie in den letzten 4 Wochen Folgendes erlebt: "Ich hatte Probleme beim Ein- oder Durchschlafen, weil mir noch viele Gedanken durch den Kopf gingen."

Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Stefanie André
Professorin für Gesundheitsmanagement an der IU Internationalen Hochschule