IU Studie 2026 | Executive Summary
Die Menschen in Deutschland befinden sich in „digitaler Dauerbereitschaft“: 81,0 Prozent checken ihre digitalen Geräte mindestens einmal pro Stunde, auch ohne konkrete Benachrichtigung. Diese digitalen Gewohnheiten betreffen auch die besonders sensiblen Zeiten am Morgen und am Abend: Jeweils rund drei Viertel der Befragten greifen weniger als 30 Minuten nach dem Aufwachen bzw. vor dem Einschlafen zu Smartphone, Tablet und Co. Das sind die Ergebnisse der repräsentativen IU Studie zu digitalem Stress.
Das Problem an der digitalen Dauerbereitschaft? Jeweils mehr als 2 von 5 Menschen in Deutschland geben an, sich dauernd „auf Empfang“ zu fühlen und Schwierigkeiten beim Abschalten zu haben. Laut Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Stefanie André, Professorin für Gesundheitsmanagement an der IU Internationalen Hochschule, umfasst dieser „permanente mentale Aktivierungszustand“ alle Bereiche des Lebens und erschwert die Stressbewältigung in Form von echter Erholung mit typischen Folgen wie Konzentrationsproblemen und Erschöpfung.
56,0 Prozent der Menschen in Deutschland geben an, gerne häufiger offline sein zu wollen. Doch warum gelingt das nicht? Für Prof. Dr. Timo Kortsch, Professor für Wirtschaftspsychologie an der IU Internationalen Hochschule, liegt das an der Kombination von digitalen Reizen wie Push-Benachrichtigungen und dem Druck, immer erreichbar sein zu müssen.
„Always-on ist kein persönlicher Lifestyle, sondern ein systemisches Gesundheitsrisiko“, bewertet Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Stefanie André die Studienergebnisse . Im Doppelinterview geben die beiden IU-Expert:innen Anregungen, wie im Kontext digitaler Dauererreichbarkeit der permanente Aktivierungszustand reduziert und die Fähigkeit zur Erholung gestärkt werden kann.
Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Stefanie André lehrt und forscht an der IU Internationalen Hochschule zu Gesundheitsmanagement. Die Expertin erklärt, was „digitaler Stress“ bedeutet und wie er entsteht.
Digitaler Stress bezeichnet eine psychische und körperliche Belastungsreaktion, die im Umgang mit digitalen Anforderungen entsteht, wenn diese als nicht bewältigbar oder unkontrollierbar bewertet werden und / oder dauerhaft präsent sind, ohne ausreichende Möglichkeiten zur Erholung und Regulation.
Digitaler Stress betrifft sowohl das Arbeits- als auch das Privatleben und manifestiert sich in anhaltender Anspannung, Konzentrationsproblemen, Erschöpfung, Schlafstörungen sowie in einer eingeschränkten Fähigkeit, abzuschalten und sich zu erholen.
Häufig entsteht digitaler Stress nicht primär durch digitale Technik selbst, sondern durch strukturelle Rahmenbedingungen in Kombination mit unzureichenden Möglichkeiten zur Selbstregulation und ist damit Ausdruck eines gestörten Gleichgewichts zwischen Aktivierung und Regulation.
Digitaler Stress ist ein weiter gefasster Begriff für Beanspruchungen im Zusammenhang mit digitalen Technologien und digitaler Kommunikation im Berufs- und Privatleben. Auslöser sind unter anderem Informationsflut, ständige Erreichbarkeit oder fehlende Abgrenzung.
Technostress bezeichnet demgegenüber spezifisch den Stress, der aus den Anforderungen und der Nutzung digitaler Technologien entsteht, beispielsweise durch komplexe Anwendungen, ständige Updates oder Anpassungsdruck. Er wurde ursprünglich vor allem im Arbeitskontext untersucht und fokussiert sich stärker auf die technischen Eigenschaften digitaler Systeme als Stressquelle.

Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Stefanie André
Professorin für Gesundheitsmanagement an der IU Internationalen Hochschule
Key Facts
Ping oder Push? Viele schauen bei digitalen Benachrichtigungen sofort nach.
64,6 %
stimmen der Aussage voll und ganz oder eher zu, direkt nachzusehen, wenn eine neue Nachricht oder Benachrichtigung auf ihren digitalen Geräten eingeht.
Hauptsache Handy in der Hand – auch parallel zu anderen Tätigkeiten.
62,8 %
stimmen der Aussage voll und ganz oder eher zu, parallel zu anderen Tätigkeiten ihr Smartphone zu nutzen (z. B. beim Essen, im Gespräch, beim Fernsehen).
„Ich habe das Gefühl, im Alltag sowohl beruflich als auch privat permanent erreichbar sein zu müssen.“
42,2 %
der Arbeitnehmenden stimmen dieser Aussage voll und ganz oder eher zu.
Always-on: Knapp die Hälfte fühlt sich dauernd „auf Empfang“.
44,2 %
sagen: Ich habe das Gefühl, gedanklich ständig „auf Empfang“ zu sein (stimme voll und ganz zu bzw. stimme eher zu).
Die Mehrheit wäre gerne häufiger offline.
56,0 %
stimmen voll und ganz oder eher zu, dass sie gerne häufiger offline sein würden, als sie es sind.
Häufigste Maßnahme gegen digitalen Stress? Push-Benachrichtigungen aus.
38,4 %
geben an, Push-Benachrichtigungen auszuschalten, um ihre digitale Erreichbarkeit zu steuern.
Aufgrund von Rundung können marginale
Abweichungen in den Messergebnissen auftreten.

Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Stefanie André
Professorin für Gesundheitsmanagement an der IU Internationalen Hochschule
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