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Die Menschen in Deutschland – und natürlich auch darüber hinaus – erleben einen permanenten psychologischen Aktivierungszustand, der sich durch alle Lebensbereiche zieht.“

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Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Stefanie André und Prof. Dr. Timo Kortsch im Doppelinterview zu digitalem Stress. Außerdem geben die beiden Expert:innen Tipps für mehr Stressresistenz.

Prof.ⁱⁿ André und Prof. Kortsch: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse der Studie zu digitalem Stress?

Prof. Dr. Timo Kortsch: Unsere Ergebnisse zeigen vor allem eines: Wir messen in unserer Studie keinen klassischen Jobstress. Die Menschen in Deutschland erleben demnach einen permanenten psychologischen Aktivierungszustand, der sich durch alle Lebensbereiche zieht: Arbeit, Freizeit und soziale Beziehungen. Viele Menschen sind nicht akut überlastet, aber sie kommen nie wirklich runter.


Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Stefanie André: Auffällig ist auch die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität: Rund zwei Drittel der Befragten wünschen sich mehr Offline-Zeit, aber nur etwa jede fünfte Person schafft bewusst Phasen, in denen sie nicht erreichbar ist. Das spricht nicht für fehlendes Wissen, sondern für einen starken sozialen und beruflichen Erwartungsdruck. Besonders betroffen sind jüngere Menschen und Frauen. Gerade Jüngere sind mit digitalen Medien aufgewachsen – für sie ist permanente Erreichbarkeit oft der Normalzustand und keine Ausnahme.

Prof. Kortsch, warum stresst uns die digitale Welt so? Macht uns die Digitalisierung krank?

Unser größtes Problem ist im Grunde ein Mismatch: Unser Gehirn ist auf klare Handlungsimpulse und echte Erholungsphasen ausgelegt – nicht auf eine Informationsflut und eine Dauerberieselung mit Reizen, die nie wirklich abgeschlossen sind.

Führen wir uns vor Augen, dass die durchschnittliche Person heute täglich mit Hunderten von Benachrichtigungen, Nachrichten und Informationsreizen konfrontiert ist – und das über alle Lebensbereiche hinweg, ohne klare zeitliche Grenzen. Unser System reagiert darauf nicht mit einer einmaligen, klar abgegrenzten Stressreaktion — sondern mit einem anhaltenden Bereitschaftszustand: Die Aufmerksamkeit bleibt mobilisiert, das Gehirn scannt weiter nach dem nächsten Reiz. Genau das haben wir in unserer Studie gemessen. Das ist kein individuelles Versagen — sondern ein strukturelles Problem, das gesellschaftliche Antworten braucht.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob die Digitalisierung uns krank macht. Sie ist längst Realität. Die Frage ist: Wie gehen wir systematisch mit ihren Auswirkungen um? Und hier tragen Individuen, Unternehmen und Politik gleichermaßen Verantwortung.

Prof.ⁱⁿ André, wie können wir die digitale Überlastung bewältigen?

Wichtig ist, Folgendes zu verstehen: Nicht die Digitalisierung ist das Problem, sondern die fehlende Erholung. Stress macht krank, wenn er chronisch wird. Und genau das passiert aktuell bei vielen Menschen.

Normalerweise folgt auf eine Aktivierung des Sympathikus eine Phase der Regulation durch den Parasympathikus. Der Körper kommt dann zur Ruhe und kann regenerieren. Im digitalen Alltag fällt diese Regulationsphase jedoch häufig weg. Die Stresskurve sinkt nicht mehr ausreichend ab, der Organismus verbleibt in einem Zustand erhöhter Aktivierung.

Die Folge ist eine dauerhafte Verschiebung der Allostase: Der Körper passt sich an ein erhöhtes Aktivierungsniveau an, wodurch sich langfristig Ressourcen erschöpfen und Erholung zunehmend schwerfällt.

Deshalb greift es zu kurz, die Verantwortung allein beim Individuum zu sehen. Digitale Überlastung ist zu einem großen Teil ein strukturelles Problem. Die zentrale Frage ist nicht, wie Menschen belastbarer werden, sondern wie Bedingungen geschaffen werden können, unter denen Regulation und Erholung wieder möglich sind.


Prof. Kortsch, was bedeutet „digitale Resilienz“ aus psychologischer Sicht?

Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen stabil zu bleiben und sich weiterzuentwickeln. Digitale Resilienz überträgt dieses Prinzip auf unseren Umgang mit digitalen Anforderungen.

Es geht also darum, eine Informationsflut, ständige Unterbrechungen oder Erreichbarkeit so zu bewältigen, dass die Leistungsfähigkeit, das Wohlbefinden und die Gesundheit langfristig erhalten bleiben. Dazu gehören neben individuellen Kompetenzen auch Routinen und klare Rahmenbedingungen, beispielsweise wie wir Fokus herstellen oder gezielt Erholung ermöglichen.

Was hilft gegen digitalen Stress?

Die repräsentative IU Studie zeigt: Die Menschen in Deutschland nehmen digitalen Stress wahr, aber viele tun auch etwas dafür, um diesen zu reduzieren.


Die am häufigsten genannten Maßnahmen sind: Push-Benachrichtigungen ausschalten, „Nicht stören“-Modus aktivieren und Bewegung bzw. Sport – ganz ohne digitale Geräte. Mehr als die Hälfte der Befragten nehmen sich außerdem bewusste Auszeiten von der digitalen Erreichbarkeit.

Maßnahmen gegen digitalen Stress

Frage: Welche der folgenden Maßnahmen helfen Ihnen persönlich dabei, Ihre digitale Erreichbarkeit zu steuern?

Top-13-Nennungen

Auszug aus abgefragten Statements; nur Antworten „Stimme ich voll und ganz zu“ und „Stimme ich eher zu“ auf 4er-Skala

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Symptome und Folgen

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Über die Studie

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