Gendersensible und inklusive Sprache

Eine Sprache, die alle anspricht, Stereotype sowie diskriminierende Klischees vermeidet und Menschen mit Behinderung berücksichtigt.

iu.de

Guten Tag liebe...?

"Es gibt viele Möglichkeiten, wie ich Euch jetzt ansprechen könnte: ‚Liebe Kolleginnen und Kollegen‘, ‚Liebe Studentinnen und Studenten‘ oder doch ‚Liebe Kolleg:innen‘, ‚Liebe Kolleg_Innen‘, ‚Liebe Studierenden‘ oder doch ‚Liebe Mitarbeitenden‘ – oder ganz nüchtern ‚Liebes Kollegium‘ ‚Liebe Studierendenschaft‘? Bei meiner Entscheidung sind mir die korrekte Orthografie und eine genaue sowie ästhetische Sprache genauso wichtig wie der Wunsch, mich fair auszudrücken. Gleichberechtigung sollte selbstverständlich sein – und in einer inklusionssensiblen Sprache zum Ausdruck kommen. Aber wie?

Spätestens hier treffen im deutschen Sprachraum Welten, Bedürfnisse und Meinungen aufeinander. Der Duden hilft derzeit noch wenig, denn bevor Sprache einen gesellschaftlichen Entwicklungsprozess widerspiegeln kann, bedarf es zuerst gesellschaftlicher Verhandlungen. Die Gender-Thematik und auch der sensible Sprachgebrauch im Umgang mit Menschen mit Behinderung kommen einem Griff ins Wespennest gleich – und wir als Hochschule stehen vor der Frage, wie wir den Prozess hin zu gender- und inklusionsgerechter Sprache anstoßen und moderieren können.

Als Hochschule sind wir uns aber bewusst: Wir haben die Chance, den Sprachwandel aktiv mitzugestalten. Und wir werden diese Chance nutzen!"

Nicola Schmidt-Geheb
Gleichstellungs- und Diversitätsbeauftragte der IU Internationalen Hochschule

Unser Leitfaden

Ein Leitfaden für gendersensible und inklusive (Bild-)Sprache für Mitarbeitende, Studierende und Lehrende an der IU Internationalen Hochschule.

Hier geht es zum Leitfaden.

Was ist Gender?

Ein kleiner historischer Exkurs  – In den Siebzigerjahren haben Feministinnen in Deutschland damit begonnen, den englischen Begriff „Gender“ (Soziales Geschlecht) zu verwenden. Sie wollten damit darauf aufmerksam machen, dass es verschiedene Faktoren gibt, die unsere Geschlechtsidentität ausmachen. Das soziale Geschlecht meint die Gesamtheit von Erwartungen, Konventionen und Rollenzuschreibungen, mit denen das biologische Geschlecht in unserer Gesellschaft verbunden wird. Es ist zugleich auch das durch unsere Erziehung erworbene Selbstverständnis über unsere Geschlechtsidentität. Der Begriff wurde entlehnt, weil es im Deutschen kein entsprechendes Wort dafür gibt.

Das englische Substantiv „gender“ steht für das gefühlte und gelebte Geschlecht. Das Wort „sex“ wird hingegen für das biologische Geschlecht verwendet.

Gendersensible Sprache impliziert den Versuch, die Facetten des sozialen Geschlechts zu repräsentieren, ohne dabei diskriminierend zu sein. Denn Sprache hat einen großen Einfluss auf unsere Vorstellung von der Welt.

Das Gesetz zum Personenstand

Auch wenn sich der Großteil der Bevölkerung als Mann oder Frau versteht, ändern sich Wahrnehmung und Akzeptanz dafür, dass es eine Vielzahl an Geschlechtsidentitäten gibt. Ein wesentlicher Faktor dafür ist die Gesetzgebung, die seit 2018 die Möglichkeit bietet, neben den Einträgen „männlich“ oder „weiblich“ auch „divers“ im Personenstandsregister auszuwählen oder den Personenstand streichen zu lassen. Aktuell gibt es noch keine verbindlichen Regelungen, wie diese dritte Option sprachlich repräsentiert werden kann.

Das sogenannte "generische Maskulinum"

Das „generische Maskulinum“ ist aktuell die Gebrauchsnorm in der deutschen Sprache. Generisch bedeutet in diesem Kontext „im allgemeingültigen Sinne“: Werden gemischte Gruppen benannt, wird die maskuline Form genutzt, die dann allgemein interpretiert werden soll. Weibliche oder nichtbinäre Personen, die auch trans- oder intergeschlechtlich sein könnten, werden durch diese historisch erklärbare, aber diskriminierende Technik des Benennens ungenau repräsentiert. Sie müssen in der Rezeption mitunter raten, ob sie angesprochen werden – oder erwägen schlimmstenfalls, gar nicht gemeint zu sein. Dadurch werden Geschlechterstereotype reproduziert. Wie der Unterschied zwischen generisch und spezifisch in Bezug auf die maskuline Form wahrgenommen wird, ist eine der grundsätzlichen Fragen in der Diskussion über gendergerechte Sprache. Daher ist der bislang etablierte Begriff auch irreführend, da aus Sicht von gendersensiblen Menschen das Maskulinum nicht generisch ist. 

Gleichstellungsbüro der IU

WAS BEDEUTEN TRANS*,INTER*, NICHTBINÄR UND QUEER?

  • Trans* 
    Menschen verfügen über ein tiefes inneres Wissen darüber, welchem Geschlecht sie angehören. Diese Geschlechtsidentität ist nach außen nicht sichtbar. Transgeschlechtliche Menschen erleben ihre Geschlechtsidentität als nicht – oder nicht nur – mit dem Geschlecht übereinstimmend, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde. „Trans*“ ist ein Sammelbegriff, der sich auf all diese Menschen bezieht, und wird als Adjektiv genutzt wie in trans* Person. Da es neben männlich und weiblich weitere geschlechtliche Identitäten gibt, sind im Laufe der Zeit spezifische Begriffe entstanden, um die verschiedenen Identitäten korrekt zu benennen. Der Stern in trans* und inter* berücksichtigt dabei die Vielfalt von Geschlechtsidentitäten, Selbstbezeichnungen und Lebensentwürfen von Menschen, deren Geschlecht, Geschlechtsidentität oder Geschlechtsausdruck nicht den tradierten Erwartungen entspricht. Die diversen Attribute wie transgender, transident, nichtbinär oder agender sind somit alle in der Bezeichnung „trans* Person“ enthalten. Der Begriff „Transsexualität“ gilt als diskriminierend, da er eng mit der Pathologisierung von trans* Personen verknüpft ist. 


  • Inter* 
    Der Begriff „inter*“ ist ein Überbegriff für zwischengeschlechtliche Körperlichkeiten und damit verbundene Lebensrealitäten. Manche Menschen verfügen von Geburt an über genetische, anatomische und hormonelle Geschlechtsmerkmale, die nicht den medizinischen Geschlechternormen von Mann und Frau entsprechen. Intergeschlechtlichkeit kann sich vor, bei, oder nach der Geburt eines Menschen, in der Pubertät oder auch später im Leben zeigen. Bis heute werden Kinder geschlechtszuweisend operiert, obwohl diese medizinisch unnötigen Operationen menschenrechtsverletzend sind und aus ethischer Sicht stark kritisiert werden. Eltern und fachärztliches Personal können schließlich nicht wissen, wie sich Körper und Geist der Kinder entwickeln werden. Seit Ende 2018 können Eltern von intergeschlechtlichen Neugeborenen ihr Kind unter „divers“ im Geburtenregister registrieren lassen oder auf eine Angabe zum Geschlecht verzichten. Die Begriffe „trans*“ und „inter*“ werden bewusst als Adjektiv verwendet. Zuvor war die Schreibweise Trans*-Person oder Inter*- Person üblich. Mittlerweile wird diese in den Communities stark abgelehnt, da sie die Eigenschaften überbetont. Im Deutschen ist es üblich, Eigenschaften sprachlich mit Adjektiven darzustellen: Es heißt beispielsweise auch nicht „Großfrau“ oder „Kleinmann“, wenn wir von einer großen Frau oder einem kleinen Mann sprechen oder schreiben. Die beiden Adjektive trans* und inter* können auch ohne Stern verwendet werden. Eine andere akzeptierte Bezeichnung ist trans- oder intergeschlechtliche Person. 


  • Nichtbinär
    Die Adjektive „trans*“ und „inter*“ schließen nichtbinäre Menschen mit ein, denn manche trans* und inter* Personen verorten sich jenseits der zwei gesellschaftlich anerkannten Geschlechter „Mann“ und „Frau“ – oder auch dazwischen. Beispiele für solche Identitäten sind agender Personen, bei denen Geschlecht für die Identitätsbildung keine Rolle spielt, oder genderfluide Personen, deren Geschlechtsidentität changiert. 


  • Queer 
    Parallel gibt es den Begriff „queer“, der im englischsprachigen Raum entstand und zunächst ein Schimpfwort war. Mittlerweile hat sich die LSBTIQ+-Community den Begriff zurückerobert als wichtige und vielfältig verwendbare Bezeichnung, um Theorien, Praxis, Personen und Bewegungen zu benennen. Die Abkürzung „LSBTIQ+“ steht für Lesbische, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und Queere Menschen (international: „LGBTIQ+“). Queere Menschen fordern die gesellschaftlichen Vorstellungen rund um Geschlecht und Sexualität heraus, die suggerieren, es gebe nur zwei Geschlechter und nur eine Form des Begehrens, nämlich Heterosexualität. 


  • Wie viele Trans* Personen leben in Deutschland?
    Es gibt keine offizielle Angabe zur Anzahl der in Deutschland lebenden transgeschlechtlichen Personen. Schätzungen variieren stark durch die verschiedenen zu Grunde gelegten Definitionen: Juristische und medizinische Quellen erfassen meist Menschen, die als transident diagnostiziert wurden und medizinische oder juristische Schritte zur Geschlechtsangleichung ergreifen. Trans*Organisationen berücksichtigen hingegen auch die Personen, die ihren Körper, ihren Namen oder Personenstand nicht angleichen. Die Schätzungen reichen demzufolge von 2.000 bis 100.000 Personen in Deutschland.


  • Wie viele Inter* Personen leben in Deutschland?
    Es gibt keine zuverlässigen Zahlen von den in Deutschland lebenden inter* Personen, da es keine Stelle gibt, die die Daten erfasst. Die Angaben zur Anzahl der intergeschlechtlichen Menschen variieren außerdem je nachdem, welche Erscheinungsform gezählt wird. Das Bundesverfassungsgericht ging 2017 von etwa 160.000 intergeschlechtlichen Personen aus (1:500). Andere Schätzungen liegen weitaus höher: Die Intersex Society of North America gibt an, dass von 100 Neugeborenen ein Kind körperliche Merkmale aufweist, die nicht oder nur teilweise den gängigen Vorstellungen und medizinischen Normen von männlichen oder weiblichen Körpern entsprechen.


Weitere Informationen erhältst Du bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, in den Publikationen des Bundesverbands Trans* und des Vereins TransInterQueer. In der Veröffentlichung „Trans* in den Medien“ zeigt der Verein, wie kompetent und diskriminierungsfrei über trans* Personen geschrieben und gesprochen werden kann.

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