DrittmittelprojektDBU Streulicht
Ressourceneffiziente Fertigung durch ganzheitliche, produktionsintegrierte Auswertung der winkelauflösenden Streulichtmessung
Projektbeschreibung
Die Funktion technischer Bauteile ist eng mit der Mikrostruktur ihrer Oberfläche verknüpft, wie Beispiele aus Natur und Technik (z. B. Lotus-Effekt, Haifischhaut oder Golfbälle) zeigen. In vielen Anwendungen, insbesondere bei bewegten Teilen, beeinflussen Mikrostrukturen im Mikrometerbereich („technische Rauheit“) maßgeblich Verschleiß, Reibung und Schmierung und damit Funktionalität und Lebensdauer.
Die Überwachung dieser Strukturen ist jedoch aufgrund von Störeinflüssen in der Fertigung herausfordernd. Insbesondere lassen sich funktionsrelevante kleinste Veränderungen oft nicht durch klassische höhenbasierte Kenngrößen erfassen. Winkelabhängige Kenngrößen sind sensibler, jedoch messtechnisch schwer in Serienprozesse integrierbar. Hier bietet die direkte Erfassung von Winkelverteilungen mittels winkelauflösender Streulichtmesstechnik großes Potenzial für eine funktionsorientierte Bewertung.
Das Projekt zielt darauf ab, diese Technologie für eine intelligente Fertigungsüberwachung zu nutzen, um frühzeitig Abweichungen zu erkennen, Ausschuss zu reduzieren und Ressourcen einzusparen. Dadurch können sowohl die Produktionsnachhaltigkeit als auch die Bauteilfunktionalität verbessert werden, etwa durch reduzierte Reibung und geringeren Verschleiß.
Die Relevanz ist hoch, da Schätzungen zufolge 20–23 % des weltweiten Energieverbrauchs durch Reibung verloren gehen. Optimierungen im tribologischen Verhalten können daher erhebliche CO₂-Einsparungen bewirken.
Im Projekt werden exemplarisch Fertigungsprozesse wie das Wälzschleifen von Zahnrädern und das Schleifen von Kolbenstangen untersucht. Methodisch umfasst das Vorgehen Datenerfassung, virtuelle Messung, Analyse, Entwicklung von Überwachungskonzepten sowie die Bewertung des Umweltnutzens.
Das Vorhaben wird von Forschungseinrichtungen und Industriepartnern gemeinsam über 36 Monate (10/2025–10/2028) durchgeführt und schafft Grundlagen für zukünftige industrielle Anwendungen.
Dauer des Projekts
21.10.2025 bis 21.10.2028
Weitere Informationen
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU);
Förderlinie „Ressourceneffizienz durch innovative Produktionsprozesse, Werkstoffe Und Oberflächentechnologien“
IU Internationale Hochschule, RPTU Kaiserslautern-Landau, University of California Davis, OptoSurf GmbH, KAPP Niles GmbH, Stabilus GmbH
Prof. Dr.-Ing. habil. Matthias Eifler, M.B.A.
Professor für Roborik
Matthias Eifler ist Professor für Robotik an der IU Internationale Hochschule. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der Oberflächenmesstechnik, insbesondere der Analyse und funktionalen Bewertung technischer Rauheiten sowie der Entwicklung intelligenter Mess- und Auswerteverfahren für industrielle Anwendungen. Dabei beschäftigt er sich insbesondere mit der Verknüpfung von Oberflächenstrukturen und tribologischen Eigenschaften wie Reibung, Verschleiß und Schmierung. Seine Arbeiten zielen darauf ab, innovative Ansätze zur prozessnahen Qualitätsüberwachung und zur ressourceneffizienten Produktion zu entwickeln.
Elham Talvari
Projektmitarbeiterin
Elham Talvari ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der IU Internationale Hochschule. Zuvor hat sie u. a. an der Goethe-Universität Frankfurt geforscht. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der optischen Messtechnik.
