DrittmittelprojektSRB - Zweite Chance
Sozialraumorientierte Beratung und Begleitung im Jobcenter – Evaluation aufsuchender Arbeit für vulnerable Zielgruppen
Projektbeschreibung
Das Forschungsprojekt ist Teil der wissenschaftlichen Begleitung des Modellprojektes „Zweite Chance" und evaluiert den sozialraumorientierten Ansatz des Pilotprojekts des Jobcenters der Pro Arbeit – Kreis Offenbach –, das seit März 2025 läuft. Mit dem Fokus auf sozialraumorientierte Beratung untersucht es die aufsuchende Beratung und niedrigschwellige Unterstützung für schwer erreichbare, vulnerable Zielgruppen: obdachlose Menschen, Bewohner:innen von Notunterkünften, Haftentlassene sowie Geflüchtete.
Die Evaluation untersucht, inwieweit der sozialraumorientierte Ansatz die Erreichbarkeit der Zielgruppe verbessert und ihre Teilhabechancen stärkt. Dabei werden drei Untersuchungssäulen beleuchtet: (1) die aufsuchende Arbeit vor Ort, (2) interne Strukturveränderungen im Jobcenter sowie (3) die Netzwerkbildung mit externen Partnern wie Schuldner-, Sucht- und Sozialberatung. Die Datenerhebung erfolgt im Rahmen eines Lehrforschungsprojekts durch Studierende der Sozialen Arbeit (IU Internationale Hochschule, Standorte Mainz und Frankfurt a. M.) im 7. Fachsemester. Gegenstand der Erhebung sind zwei Standorte: das Sozialkaufhaus in Dreieich und die Notunterkunft in Neu-Isenburg.
Das Projekt folgt einem Mixed-Methods-Ansatz: Neben leitfadengestützten Interviews mit Klient:innen und Fachkräften, einer
Dokumentenanalyse und der Auswertung quantitativer Kennzahlen (z.B. Terminquoten) werden explorative Sozialraumbegehungen mit Kartierungen durchgeführt. Die Ergebnisse münden in einen Abschlussbericht mit Handlungsempfehlungen für das Hessische Ministerium und weitere Jobcenter in Hessen.




Dauer des Projekts
01.01.2026 - 31.12.2026
Weitere Informationen
Hessisches Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales
Pro Arbeit – Kreis Offenbach – Kommunales Jobcenter; Sozialkaufhaus Dreieich der Paritätische Projekte gGmbH; Notunterkunft der Obdachlosenhilfe der Stadt Neu-Isenburg
Am 13. Februar 2026 hat die hessische Ministerin Hofmann im Frankfurter Bahnhofsviertel Förderbescheide an fünf soziale Projekte übergeben – darunter das Modellprojekt „Zweite Chance“ von Pro Arbeit zur Armutsbekämpfung. (Ministerin übergibt im Frankfurter Bahnhofsviertel Bescheide an fünf soziale Projekte https://soziales.hessen.de/presse/ministerinuebergibt-im-frankfurter-bahnhofsviertelbescheide-an-fuenf-soziale-projekte
Modellprojekt „Zweite Chance“ von Pro Arbeit. Modellprojekt Zweite Chance zur Armutsbekämpfung startet https://hessen.de/presse/modellprojekt-zweitechance-zur-armutsbekaempfung-startet
Am 14. Oktober 2025 wurde das Projekt Zweite Chance in der Hessischen Landesvertretung in Brüssel im Rahmen der Veranstaltung „Zukunft sozial gestalten: Armutsbekämpfung in Hessen und Europa“ vorgestellt. Die Veranstaltung markiert den Auftakt zum Hessischen Aktionsplan gegen Armut und ist Teil der Europäischen Woche der Regionen und Städte 2025. Zukunft sozial gestalten: Armutsprävention in Hessen und Europa | staatskanzlei.hessen.de
Prof. Dr. Claudia Olivier-Mensah
Professur für Soziale Arbeit
Claudia Olivier-Mensah ist seit 2019 Professorin für Soziale Arbeit an der IU Internationale Hochschule am Standort Mainz und promovierte 2014 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Bereich Migration und Soziale Arbeit. Sie verfügt über umfassende Expertise in empirischer Sozialforschung und Programmevaluationen, die sie unter anderem am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. Frankfurt a.M. in den Themenbereichen Armut und Migration erwarb. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der transnationalen Sozialen Arbeit sowie der sozialen Unterstützungsforschung vulnerabler Zielgruppen. In der PRIM-Studie (2019), die im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH durchgeführt und durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert wurde, untersuchte sie mit ihrem Team lebensweltnahe Rückkehrperspektiven sowie Bedürfnisse, Vulnerabilitäten und Unterstützungsbedarfe von Geflüchteten in Deutschland.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Olivier-Mensah, C. (2021): Unterstützung. Sozialräume der Migration. In: Kessl, F./Reutlinger, C.: Sozialraum – eine elementare Einführung. Wiesbaden: VS Verlag.
Olivier-Mensah, C. (2021): Flucht. In: Kreft, D./Mielenz, I.: Wörterbuch Soziale Arbeit. 9. Auflage. Weinheim/Basel: Beltz Juventa.
Olivier-Mensah, C. et al. (2020): Lebensweltnahe Rückkehrperspektiven entwickeln. Bedürfnisse, Vulnerabilitäten und Unterstützung von Geflüchteten in Deutschland. Forschungsbericht. Mainz: JGU. https://doi.org/10.25358/openscience5201
Olivier-Mensah, C. (2018): Refugee social work positioned between transnationalisation, state services and volunteering. In: Feischmidt et al. (Hrsg.): Refugee protection and civil society in Europe. Palgrave Macmillan.
Olivier-Mensah, C. (2016): Vernetzt, eingebettet, handlungsfähig? Soziale Unterstützung und Belastungen in sozialen Netzwerken. In: Homfeldt et al. (Hrsg.): Internationale Soziale Arbeit. Beltz Juventa.
Dr. Annemarie Duscha
Erziehungswissenschaftlerin & Freie Sozialforscherin
Dr. Annemarie Duscha ist Leitung von fünf Selbsthilfekontaktstellen und dem Freiwilligenzentrum in Darmstadt in Trägerschaft der Paritätische Projekte gGmbH in Hessen, freie Dozentin und Sozialforscherin. Im Jahr 2015 promovierte sie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Bereich Soziale Arbeit und wirkte dort an verschiedenen Forschungsprojekten mit.
Ihre Forschungsschwerpunkte sind Transnationalisierung, Migrationsforschung, Selbsthilfe und Soziale Unterstützungsforschung. Sie arbeitete als CoLeitung an der PRIM-Studie (2019, GIZ) zu Lebenswelten Geflüchteter mit.
Für die Paritätischen Projekte koordinierte Sie zuletzt die Beteiligung am durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Projekt „YoungCare - Hilfe für jüngere pflegebedürftige Menschen und ihre informellen Betreuer*innen“ unter Federführung des ISIS Institut für Soziale Infrastruktur gemeinnützige GmbH (2022-2025).
Prof. Dr. Katrin Sen
Professorin für Soziale Arbeit
Katrin Sen ist seit 2020 Professorin für Soziale Arbeit an der IU Internationale Hochschule am Standort Frankfurt a. M.
Nach dem Studium der Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik arbeitete sie zunächst als Schulsozialarbeiterin an einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen. Anschließend war sie Referentin für Jugendbildung bei der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Soziale Brennpunkte Hessen e. V., die sich auf Landesebene für die Verbesserung der Wohnund Lebensbedingungen in benachteiligten Quartieren einsetzt. Dort agierte sie schließlich als Referentin für soziale Stadtteilentwicklung und Gemeinwesenarbeit.
Im Rahmen ihrer Promotion untersuchte sie das Nachbarschaftserleben älterer Personen unterschiedlicher Herkunft, um Interventionen für die praktische Arbeit im Quartier anzuregen, für ein langfristig besseres nachbarschaftliches Zusammenleben und die Teilhabe unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen am städtischen Leben.
