DrittmittelprojektGoGastro
Geschmacks- und Geruchswahrnehmung und gastrointestinale Funktionen unter Weltraum-Analogbedingungen
Projektbeschreibung
Daten aus jahrzehntelanger Raumfahrt zeigen, dass die Energiezufuhr von Astronauten häufig unzureichend ist, was zu einer Gewichtsreduktion während der Raumfahrtmissionen führt. Die geringe Energiezufuhr geht naturgemäß mit einer unzureichenden Zufuhr von Makro- und Mikronährstoffen einher, die für die Aufrechterhaltung der psychologischen und physiologischen Funktionen und als Grundlage für optimale Leistungsfähigkeit notwendig sind. Verschiedene potenzielle Faktoren könnten für das Energiedefizit verantwortlich sein. Erkenntnisse zur Beeinträchtigung der Strukturen und deren Ursachen, die für eine verringerte Energie- und Nährstoffaufnahme im Weltraum verantwortlich sind, sind notwendig, um geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Bislang gibt es keine statistisch gut abgesicherten mittel- bis längerfristigen Studien zur Geschmacks- und Geruchswahrnehmung, zur Hunger- und Sättigungskontrolle sowie zu Magen-Darm-Trakt-Funktionen im Weltraum oder in Analogstudien wie bei Bettruhe in 6° Kopftieflage.
Das Forscherteam plant daher im Rahmen einer 60-tägigen Bettruhestudie in 6° Kopftieflage bei 48 Teilnehmenden, die oben genannten Aspekte näher zu untersuchen.
Das primäre Ziel des genannten Projekts ist es, ein tieferes Verständnis für die Veränderungen in der Nahrungsaufnahme und Verdauung unter Schwerelosigkeit durch Analogstudien zu gewinnen. Basierend darauf sollen Ernährungsstrategien entwickelt werden, die darauf abzielen, die Verfügbarkeit von Energie und Nährstoffen zu optimieren, um die Leistungsfähigkeit unter extremen Bedingungen zu sichern. Dabei fokussiert dieses Teilvorhaben auf die Analyse von Insulin und Leptin, sowie der advanced glycation end products.
Dauer des Projekts
01.06.2024 bis 31.05.2027
Weitere Infos
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz Fördermaßnahme: DLR e.V. Raumfahrtagentur – Nationales Raumfahrtprogramm
Förderbereich: Forschung unter Weltraumbedingungen
Universitätsklinikum Tübingen
Prof. Dr. Martina Heer
Professur für Ernährungswissenschaften und -beratung
Martina Heer ist Professorin für Ernährungswissenschaften und Studiengangsleiterin für den gleichnamigen Fernstudiengang an der IU Internationale Hochschule. Ihre Schwerpunkte liegen in der Ernährungsphysiologie, -lehre und Diätetik. Darüber hinaus ist sie außerplanmäßige Professorin für Ernährungsphysiologie an der Universität in Bonn.
Nach erfolgreicher Promotion zur Dr. oec. troph. forschte Heer mehrere Jahre am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Bereich der Weltraumphysiologie an ernährungsphysiologischen Themen. Sie habilitierte sich an der Universität Bonn und hält dort die Venia legendi im Fach Ernährungsphysiologie. Ihre am DLR gewonnenen Erfahrungen aus der Ernährungsforschung in extremen Umweltsituationen vertiefte sie als Director Nutritional Sciences in der Diabetesforschung bei Profil Institut für Stoffwechselforschun, bevor sie als Senior Research Manager-Nutrition and Health Sciences zum Mars-Petcare-Waltham Center for Pet Nutrition in Großbritannien wechselte.
Im Rahmen ihrer Forschungsarbeiten im akademischen Umfeld und in den Forschungsabteilungen der kommerziellen Unternehmen hat Heer auf internationaler Ebene ernährungswissenschaftliche Projekte betreut und geleitet sowie neue Forschungskonzepte entwickelt. Sie zählt zu den führenden Experten für die Ernährung im Weltraum.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Garrett-Bakelman, F. et. Al. (2019): The NASA Twins Study: A multi-omic, molecular, physiological, and behavioral analysis of a year-long human spaceflight. In: Science (in print).
Heer M. et. al. (2017): Effects of high protein intake on bone turnover in long-term bed rest in women. APNM, May;42 (5), S. 537-546. doi: 10.1139/apnm-2016-0292.
Heer M. et. Al. (2009): Increasing sodium intake from a previous low or high intake affects water, electrolyte and acid-base balance differently. British Journal of Nutrition, 101(9), S. 1286-1294.
Frings-Meuthen P, Baecker N, Heer M. (2008): Low grade metabolic acidosis may be the cause of sodium chloride induced exaggerated bone resorption. J Bone Miner Res, 23(4), S. 517-524
Prof. Dr. Martina Heer, Professur für Ernährungswissenschaften und -beratung
Kim Neitzert (kim.neitzert@iu.org) Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Irmtrud Schrage-Knoll (irmtrud.schrage-knoll@iu.org) Technische MA
