DrittmittelprojektInterdisziplinär am Denkmal 2.0
Bauerhaltung im städtebaulichen und sozialen Umfeld einer Mahalla
Projektbeschreibung
Das Projekt Interdisziplinär am Denkmal 2.0: Bauerhaltung im städtebaulichen und sozialen Umfeld einer Ma-halla dreht sich um den fachlichen Austausch zwischen usbekischen und deutschen Student*innen, Wissen-schaftler*innen, und Hochschullehrer*innen in Bezug auf den Umgang mit schützenswerter Bausubstanz und Denkmälern innerhalb einer Mahalla unter besonderer Berücksichtigung städtebaulicher und sozialwissen-schaftlicher Aspekte. Mahallas in Usbekistan sind vergleichbar mit deutschen Gemeindeverwaltungseinheiten und bilden darüber hinaus ein wichtiges soziales Gerüst und Bindeglied zwischen Privatheit und öffentlicher Verwaltung. Die Mahalla ist die kleinste usbekische Gebietsgliederung, die – ähnlich einer Gemeinde – eine eigene rechtliche und soziale Struktur mit Entscheidungskompetenzen hat. Darüber hinaus sind die Struktu-ren und Gebäude vieler Mahallas Zeitzeugen der baulichen, kulturellen und gesellschaftlichen Überlieferung usbekischer Städte und beherbergen historische Gebäude und schützenswertes kulturelles Erbe.
Die Zusammenarbeit mit strategisch wichtigen Partnern im Ausland ist ein Schwerpunkt der 2022 verabschie-deten Internationalisierungsstrategie der FH Potsdam (FHP). Die Kooperation mit den usbekischen Partner-hochschulen Tashkent University of Architecture and Civil Engineering, Samarkand State Architectural and Civil Engineering University und der Bukhara State University bildet einen langjährigen Fokus der FH Potsdam im Bereich der internationalen Zusammenarbeit. Dieser Folgeantrag im Ostpartnerschaftenprogramm 2024-2026 ist auf Themenstellungen bezogen, die in interdisziplinärer Weise nun auch sozialwissenschaftliche As-pekte bzw. sozialarbeiterische Fragestellungen im Kontext der Konservierung, Restaurierung und Erhaltung des Altbaubestandes und integrierter Denkmale innerhalb der vorhandenen Stadtstruktur betreffen.
Die Samarkand State University mit ihrem Fachbereich Soziale Arbeit und Soziologie wird in das Projekt einbezo-gen, um gemeinsam den Einfluss von baulichen Veränderungen auf das soziale Leben der Bewohner zu unter-suchen. Parallel dazu soll die in Usbekistan noch junge Disziplin der Sozialen Arbeit in die Gemeindestruktu-ren der Mahalla implementiert werden. Durch Aufnahme des Bukhara Engineering Technological Institutes wird zudem die ingenieurwissenschaftliche und architektonische Kompetenz im Hinblick auf Vorhaben zum Umgang mit dem baulichen Erbe erweitert werden. Die Frage nach dem Erhalt und der Ertüchtigung von his-torischen Baustrukturen in den Mahallas und sozialwissenschaftlichen und sozialarbeiterischen Implikatio-nen wurde gemeinsam mit den usbekischen Partnerhochschulen als Thema entwickelt. Das beantragte Projekt ist die Fortführung und Weiterentwicklung des Vorgängers „Interdisziplinär am Denkmal“ (Ostpartner-schaften 2021-2023), während dem durch den intensiven und regelmäßigen Kontakt die Grundlagen für eine intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit gelegt wurden.
Dauer des Projekts
01.01.2024 – 31.12.2026
Weitere Informationen
DAAD: Partnerschaften mit Hochschulen in Ostmittel-, Südost- und Osteuropa sowie dem Kaukasus und Zentralasien (Ostpartnerschaften 2024-2026)
FH Potsdam
Prof. Dr. Marit Cremer
Professur für Soziale Arbeit
Marit Cremer ist Professorin für Soziale Arbeit am Studiengang Soziale Arbeit Duales Studium an der IU Internationale Hochschule, Standort Karlsruhe. Ihre Schwerpunkte liegen in der Migrationssozialarbeit, Qualitativen Sozialforschung sowie Methoden und Theorien der Sozialen Arbeit. Sie forscht zu Internationaler Sozialer Arbeit, Zivilgesellschaft und Menschenrechten in den Regionen Nord- und Südkaukasus, der Russischen Föderation sowie Zentralasien. Sie ist in der Politikberatung tätig und Expertin für Tschetschenien und die tschetschenische Community in Deutschland.
Promoviert wurde sie an der Freien Universität Berlin mit ihrer Studie zu Bewältigungsstrategien im Migrationsprozess. Bevor sie von der FH Potsdam an die IU Karlsruhe wechselte, war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin u.a. bei der EKFuL e.V., AWO Berlin-Neukölln und der Menschenrechtsorganisation MEMORIAL Deutschland e.V. Sie verantwortete zahlreiche internationale Projekte an der Schnittstelle von Zivilgesellschaft und Wissenschaft und leitete internationale Fachtagungen im In- und Ausland.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Cremer, M. (2023): Deutsche, Sowjets, Russen? Fluide Identitäten von Russlanddeutschen. In: Kornelius Ens, Jannis Panagiotidis, Hans-Christian Petersen (Hrsg.): Diktatur - Mensch - System. Russlanddeutsche Erfahrung und Erinnerung, Schöningh, Paderborn, 41-78.
Cremer, M. (2023): Wie hältst Du es mit der Religion? Junge Deutschtschetschen*innen über Glauben, Tradition und Gemeinschaft. ufuq.de Pädagogik, politische Bildung und Prävention in der Migrationsgesellschaft. Kompetenznetzwerk Islamistischer Extremismus (KN:IX) https://www.ufuq.de/aktuelles/wie-haeltst-du-es-mit-der-religion-junge-deutschtschetscheninnen-ueber-glauben-tradition-und-gemeinschaft/
Cremer, M. (2017): Angekommen und integriert? Bewältigungsstrategien im Migrationsprozess. Campus, Frankfurt am Main/New York.
Cremer, M. & Wewetzer, Chr. (2017) (Hg.): Pränatale Diagnostik. Beratungspraxis aus medizinischer, psychosozialer und ethischer Sicht. Sammelband. Campus, Frankfurt am Main/New York.
Cremer, M. (2012): The Instrumentalization of Religious Beliefs and Adat Customery Law in Chechnya, in: Pickel, Gert/Sammet, Kornelia (Hrsg.): Transformations of Religiosity: Religion And Religiosity In Eastern Europe 1989 – 2010, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 197-212.
Cremer, M. (2007): Fremdbestimmtes Leben. Eine biographische Studie über Frauen in Tschetschenien. Transcript Verlag, Bielefeld.
